Stand: 14.10.2013 15:06 Uhr

Lampedusa-Flüchtlinge: Wie Sie helfen können

von Fabienne Hurst
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In der Hamburger St. Pauli Kirche sind derzeit 80 Flüchtlinge untergebracht

Schätzungsweise 300 Menschen der sogenannten Lampedusa-Gruppe sind seit März in Hamburg - ohne gültige Papiere. Ihre Lage spitzt sich jeden Tag zu. Viele Menschen in Hamburg fragen sich, wie sie den Flüchtlingen im Alltag helfen können. NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

An wen kann ich mich wenden?

Aus Angst vor Polizeirazzien halten viele soziale und religiöse Einrichtungen die Notunterkünfte für die Lampedusa-Flüchtlinge geheim. Die St. Pauli Kirche fungiert deshalb als Anlaufstelle und hat die "Embassy of Hope" im Kirchgarten gegründet. Die "Botschaft der Hoffnung" ist für die Afrikaner, Gäste und Helfer jeden Tag geöffnet. Wer die Flüchtlinge ehrenamtlich unterstützen möchte, meldet sich am besten dort.

Wie kann ich meine Zeit spenden?

Sie können sich in vielen Bereichen einbringen, ohne speziell ausgebildet zu sein. Egal ob bei Frühstücksdiensten, Nachtwachen, Arztbegleitungen, Übersetzungen oder der Gestaltung von Freizeitprogrammen.

Rechtslage

Der Hamburger Innensenator, Michael Neumann, schreibt auf seiner Internetseite: "Wer sich ohne den erforderlichen Aufenthaltstitel in Deutschland aufhält, macht sich strafbar nach § 95 Abs. 1 S. 2. Aufenthaltsgesetz. Auch die Hilfeleistung ist als Beihilfe hierzu strafbar."

De facto haben Helfer jedoch nichts zu befürchten. So schreibt das Bundesministerium für Inneres in einem Bericht über "Illegal aufhältige Flüchtlinge in Deutschland" aus dem Jahr 2007: "Die Gefahr der Strafbarkeit von Helfern (wird) überschätzt, (...) übertrieben und dramatisiert." Verurteilungen von Personen, die aus humanitärer Motivation Hilfe geleistet hätten, seien nicht bekannt.

Was brauchen die Flüchtlinge?

Auch Sachspenden können Sie in der "Embassy of Hope" abgeben: Besonders gefragt sind Männerschuhe ab Größe 42, originalverpackte Socken und Unterwäsche, Rucksäcke und Taschen, Schlafsäcke und Isomatten, Schreibmaterial und Wörterbücher, Einmalgeschirr, Hygieneartikel, Lebensmittel zum Frühstücken, Kaffee, Milch und Wasser.

Was muss ich bei Sachspenden  beachten?

Kleider und Schuhe müssen gepflegt und intakt sein. Wer Sachspenden in großen Mengen abgeben möchte, sollte sich vorher mit der St. Pauli Kirche absprechen. Auch größere Essenspenden und Lebensmittel zum Kochen meldet man am besten vorher.

Wie kann ich mitdiskutieren?

Ralf Lourenco von der Initiative "Lampedusa in Hamburg", die sich für die Flüchtlinge einsetzt, wünscht sich, dass mehr Menschen ihren Unmut über die Behandlung der Menschen aus Afrika auch kundtun. Plätze dafür gibt es viele:  auf öffentlichen Kommentarseiten der Behörden, in sozialen Netzwerken, auf der Straße, im eigenen Bekanntenkreis.

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