Stand: 03.05.2012 17:40 Uhr  | Archiv

Wie Wunschmonster ins Internet kommen

von Maya Ueckert, NDR.de
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Claudia Plenk in ihrem Arbeitszimmer: Hier entsteht eine bunte Herde von Filztieren.

Die Nähmaschine rattert im Arbeitszimmer von Claudia Plenk. Sie näht Helmut zusammen, dann stopft sie ihn aus. Helmut hat als Glücksbringer schon die Herzen vieler Frauen erobert. Der kleine Tapir aus Filz mit der langen Nase ist der Verkaufsschlager der 27-jährigen Studentin, die in Norderstedt lebt. Unter ihrem Label catmade bietet sie über die Online-Plattform DaWanda ihre handgefertigten Produkte an.

Auf Internet-Portalen wie DaWanda und Etsy verkaufen unzählige Anbieter ihre kreativen Arbeiten. Immer wieder findet sich auch Ausgefallenes wie die Filztiere von Claudia Plenk oder schräge Wunschmonster vom Label Hamburger Blütezeit. Stoffgetier aller Art, Schmuck, Mode, Schreibwaren, Accessiores, Baby- und Kindersachen - die Auswahl ist riesig.

"Gute Organisation ist wichtig"

Einige Anbieter haben eigene Läden, Werkstätten und verschiedene Vertriebswege, andere arbeiten zu Hause und verkaufen ihre Produkte komplett oder zum Großteil über DaWanda. Zu den erfolgreichen Verkäuferinnen aus Hamburg gehört auch Wiebke Jakobs mit dem Label Ahoimeise. Die freiberufliche Grafikdesignerin hat sich damit ein zweites Standbein aufgebaut und online schon fast 2.000 Produkte verkauft. Bei der 37-Jährigen gibt es vor allem Handgedrucktes – alles hergestellt in der eigenen Wohnung. Da stapeln sich dann schon mal Arbeitsmaterial und Verpackungen. "Und der Zeitaufwand ist natürlich auch hoch. Ich mache ja alles selbst – auch die Päckchen zur Post bringen." Eine gute Organisation sei wichtig. "Ich fange schon im Sommer mit den Adventskalendern an."

"Kommen meine Produkte an?"

Die größten Vorteile beim Verkauf über die Online-Plattformen: Es fallen nur sehr geringe Kosten an – ein eigener Laden beispielsweise ist nicht nötig. Zur Not stellt man seine Nähmaschine eben auf den Küchentisch. Und: Es gibt eine große Flexibilität. Jeder kann sich überlegen, wann er wie viele Produkte einstellt und auch erst dann produzieren, wenn eine Bestellung ins Haus flattert. Ohne Risiko können die Anbieter schauen, ob sich jemand für ihre Kreationen interessiert. Entscheidend ist jedoch, dass sie sich und ihre Produkte bekannt machen, sei es über die Plattform selbst, soziale Netzwerke oder andere Wege. Denn sonst gehen sie in der Masse unter.

"Keine Geschmackspolizei"

"Das ist sicher ein großer Nachtteil. Bei den Online-Plattformen gibt es keine Vorauswahl, auch keine Geschmackspolizei, jeder kann alles einstellen", sagt Sophie Pester von der Hamburger Initiative hello handmade. Deshalb gebe es auch immer wieder kritische Stimmen. "Aber letztendlich ist es eine gute, unkomplizierte Möglichkeit, seine Sachen zu verkaufen."

"Ganz neue Perspektiven"

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Mit einer Filzkatze fing alles an - heute verdient sich Studentin Claudia Plenk mit ihren handgemachten Tieren ihren Lebensunterhalt.

Für Claudia Plenk haben sich mit ihren Filztieren ganz neue Möglichkeiten eröffnet. "Ohne die Internetplattform wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin", sagt die 27-Jährige. Es fing an mit einer Filzkatze, die sie ins Netz stellte. "Und huch – auf einmal war die verkauft! Das war schon ein besonderer Moment", erzählt sie. Mittlerweile ist eine ganze Herde ausgefallener Filztiere zusammengekommen und sie arbeitet täglich mehrere Stunden für ihren Online-Shop.

"Reich wird man damit natürlich nicht", sagt sie. Aber die Studentin finanziert sich so ihren Lebensunterhalt und es bedeutet für sie noch viel mehr: "Ich habe eine ganz neue Perspektive." Gerade beendet sie ihr Studium, doch in Zukunft möchte sie lieber ihr Label ausbauen – und eben damit Geld verdienen. Ganz wichtig: "Diese Arbeit macht mir einfach viel Freude – und das ist schon ein Wert an sich."

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