Stand: 12.04.2016 18:04 Uhr

Zwielichtige Kunden bei Berenberg Bank

Die Hamburger Privatbank Berenberg sieht sich mit neuen Enthüllungen zu zweifelhaften Kunden konfrontiert. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat die Bank mutmaßliche Drogenkriminelle und Waffenschieber als Kunden akzeptiert. Die Konten wurden dabei auch in Hamburg geführt.

Berenberg-Chef ist neuer Präsident des Bankenverbands

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Die Berenberg Bank und ihr Chef Peters geben sich gern vornehm, machen aber offenbar auch Geschäfte mit zwielichtigen Kunden.

Für den Bankvorstand Hans-Walter Peters kommen die Enthüllungen zu einem denkbar unpassenden Zeitpunkt: Am Montag dieser Woche trat er das Amt des Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Banken an. Bereits im Zuge der "PanamaPapers"-Enthüllungen war Berenberg unter Druck geraten. Die Unterlagen zeigen, dass die Hamburger Bank über ihre Tochter in der Schweiz eng mit der umstrittenen Kanzlei Mossack Fonseca zusammen gearbeitet hat.

Konten für zwielichtige Kunden in Hamburg

Nun wird bekannt, dass am Hamburger Stammsitz jahrelang Konten für zwielichtige Kunden geführt worden sind - zum Beispiel für Gesellschaften, die zur ukrainischen Kaalbye-Gruppe gehören. Chef dieses Logistikunternehmens war zwischenzeitlich Igor Urbansky, ehemaliger Transportminister des Landes. Auch für ihn privat soll die Bank mindestens ein Konto geführt haben. Nach einem Bericht der amerikanischen Nichtregierungsorganisation "Center for Advanced Defence Studies" sollen Schiffe der Kaalbye-Gruppe in zahlreiche fragwürdige Waffengeschäfte verwickelt gewesen sein, unter anderem steht sie im Verdacht, Lieferungen in den Iran, nach Syrien und nach Venezuela gebracht zu haben.

Außenansicht der Privatbank Berenberg in Hamburg. © NDR.de Fotograf: Sonja Puhl, NDR.de

Zwielichtige Kunden bei Berenberg Bank

Panorama 3 -

Die Berenberg Bank hat nach Recherchen von NDR, WDR und SZ mutmaßliche Drogen- und Waffenhändler als Kunden akzeptiert. Die Hamburger Privatbank gerät damit unter Druck.

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Mit der Kaalbye-Gruppe ist auch die Affäre um das Frachtschiff "Faina" eng verknüpft. Im September 2008 wurde es auf dem Weg aus der Ukraine in den kenianischen Hafen Mombasa von somalischen Piraten gekapert. An Bord waren, so stellte sich später heraus, 33 russische Kampfpanzer vom Typ T-72. Bis heute ist der Verdacht nicht ausgeräumt, dass die Panzer für den damals tobenden Bürgerkrieg im Süd-Sudan bestimmt waren. Kaalbye bestritt auf Nachfrage, jemals in Waffengeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Zum Vorwurf, man habe Panzer nach Süd-Sudan liefern wollen, erklärte ein Sprecher von Kaalbye, das Land habe nicht einmal Zugang zum Meer. Die Berenberg-Bank sagte, "an Rüstungsgeschäften‎ beteiligen wir uns auch dann nicht, wenn sichergestellt ist, dass sie legal sind".

Mutmaßlicher Drogen- und Waffenhändler aus Hamburg

Wie die Kaalbye-Gruppe wurde auch der Unternehmer B. in Hamburg in der Schiffsabteilung von Berenberg geführt. Er fiel vor allem dadurch auf, dass die russischen Zoll-Behörden von Schiffen, mit denen B. geschäftlich zu tun hatte, immer wieder Kokain-Pakete holten. Mehr als 100 Kilogramm waren es nach Angaben des russischen Zolls in den Jahren 2008 und 2009. Dessen Berichte waren auch damals schon im Internet abrufbar.

Im Sommer 2009 geriet die "Arctic Sea" in die Schlagzeilen. Der Holzfrachter war vor der Küste Schwedens verschwunden - zunächst hieß es, er sei entführt worden. Drei Wochen später wurde das Schiff plötzlich Tausende Kilometer entfernt wiederentdeckt. In der Presse gab es daraufhin Gerüchte, es habe sich um einen fehlgeschlagenen Versuch gehandelt, russische Waffen in den Iran zu verfrachten. Auf Anfrage bestreitet der Geschäftsmann B., irgendetwas mit der "Arctic Sea" und dem Kokainschmuggel zu tun gehabt zu haben. Seine Konten bei der Berenberg Bank habe er mittlerweile gekündigt.

Verwicklung in Pharma-Skandal

Im Oktober 2012 berichtete das Magazin "Der Spiegel" von einem Skandal in der Pharma-Branche. Zwei deutsche Geschäftsmänner sollen demnach mit Hilfe der Briefkastenfirma "Carnival Enterprise" für rund 200 Millionen Euro Medikamente in den deutschen Graumarkt geschleust haben. Offenbar liefen die Geschäfte über die Berenberg in Hamburg, dort hatte die "Carnival Enterprise" ein Konto.

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Die Schweizer Tochter der Berenberg Bank war offenbar in einen Pharma-Skandal verwickelt.

Die Geschäftsbeziehung war aber noch enger. Die "PanamaPapers" belegen nun: Der ehemalige Vizedirektor der Berenberg Schweiz hatte die Geschäftsleute hinter der "Carnival Enterprise" offenbar bei den Medikamenten-Geschäften beraten. "Der Re-Import von pharmazeutischen Produkten nach Deutschland läuft gut. Wegen seiner erfolgreichen Beratung wird [der Banker] 250.000 Euro pro Jahr bekommen", heißt es bereits in einem Dokument aus dem Jahr 2006, das Mossack Fonseca der Briefkastenfirma des Bankers beigelegt hat. Mit dieser Firma wollte er, so steht es in den Unterlagen, eben jene Provision in einer Steueroase parken. Die Führung der Bank hatte davon offenbar nichts gewusst. Der Banker beantwortete keine Fragen.

Mutmaßlicher Partner von Drogenboss als Kunden

Auch neue Geschäfte der Züricher Berenberg-Filiale werfen Fragen auf. Die Bank soll dort jahrelang mit Gabriel Ricardo Morales Fallón zusammengearbeitet haben. Er ist verschiedentlich öffentlich beschuldigt worden, ein wichtiger Partner des kolumbianischen Drogenbosses Juan Carlos Ramirez, genannt "Chupeta" zu sein. Zwar wurde Fallon nie verurteilt und streitet die Kontakte ab, aber bereits 2007 berichteten kolumbianische Medien von dessen Nähe zu "Chupeta".

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Ein weiterer umstrittener Partner der Schweizer Filiale war offenbar der Kolumbianer Gabriel Ricardo Morales Fallón.

Die Berenberg Schweiz kündigte ihm aber erst 2013, nachdem Mitglieder der Regierung von Costa Rica, darunter die Präsidentin, mit seinem Privatjet gereist waren - und danach beinahe zum Rücktritt gezwungen wurden. Der Nachrichtensender "BBC" sprach damals von einem "Drogen-Flieger". Aus Bankkreisen heißt es, man habe ein Jahr zuvor Erkundigungen bei kolumbianischen Behörden eingeholt, danach habe es gegen Fallón keine Verfahren gegeben.

Compliance-Mitarbeiterinnen warnten und wurden gekündigt

Bereits 2013 warnten zwei Mitarbeiterinnen der Berenberg bankintern vor zahlreichen Risiko-Konten und rieten zu strikteren Regeln im Umgang mit Neu- und Bestandskunden. Ihren Risikobericht schickten sie unter anderem an die persönlich haftenden Gesellschafter Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer. Die Mitarbeiterinnen wurden kurz darauf entlassen. Sie waren in der Compliance-Abteilung tätig, also in dem Bereich der Bank, der die Einhaltung der Gesetze und Richtlinien überwachen soll.

Ein Fehlverhalten streitet die Bank ab. Wirtschaftsprüfer hätten die Vorwürfe der ehemaligen Mitarbeiterinnen geprüft und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Führung der Bank "umgehend und angemessen" reagiert habe. Alle verdächtigen Kundenbeziehungen seien schon in der Vergangenheit beendet worden und in mehreren Fällen habe man Anzeigen wegen des Verdachts der Geldwäsche erstattet. Berenberg-Chef Peters sagte NDR, WDR und SZ: "Man muss sich ständig fragen, welches Geschäft zu einem passt. Die Anforderungen an den sorgfältigen Bankbetrieb sind in den letzten Jahren stetig verstärkt worden. Nicht nur die rechtlichen, auch die eigenen. Auch deswegen macht man heute mit manchen Kunden, die man in der Vergangenheit hatte, keine Geschäfte mehr."

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Pulitzer-Preis für die "PanamaPapers"

ZAPP

Ein internationales Team aus Journalisten, auch vom NDR, deckte die Machenschaften um Briefkastenfirmen auf. Für die "PanamaPapers" gibt's nun den Pulitzer-Preis. ZAPP zeigt, wie alles begann. mehr

tagesschau.de
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Dossier zu "PanamaPapers"

Politiker wie Kriminelle haben eine Kanzlei in Panama genutzt, um Konten und Wertgegenstände zu verstecken. Das geht aus einem riesigen Datenleck hervor. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 12.04.2016 | 21:15 Uhr

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