Stand: 08.12.2015 15:01 Uhr

"Zur Integration gehören Regeln"

von Susanne Röhse

Etwa 400 Flüchtlinge wohnen seit zwei Monaten in Fischbek-Neugraben, in Hamburgs Süden. Die Zentrale Erstaufnahme liegt direkt neben dem Grundstück, auf dem eine geplante Großunterkunft für 3.000 Flüchtlinge entsteht. Für deren Akzeptanz ist es besonders wichtig, dass es in der Erstaufnahme möglichst wenige Probleme gibt und im Umfeld alles ruhig bleibt. Bisher war das der Fall - das ist auch Dieta Brandt zu verdanken.

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Anfangs gab es zwischen den Betten in dem ehemaligen Baumarkt in Fischbek-Neugraben keinen Sichtschutz.

Seit fast drei Monaten ist Dieta Brandt Einrichtungsleiterin der Zentralen Erstaufnahme, kurz ZEA, Neugraben-Fischbek. Seither versucht sie, die Lebensumstände in dem leer geräumten Baumarkt für die Menschen so angenehm wie möglich zu gestalten. Heizungsmonteure, Fliesenleger, Elektriker und Maler arbeiten bei laufendem Betrieb. Leichtbauwände bieten ein klein wenig Privatsphäre in den einzelnen Waben, wie Brandt sie nennt. Vorher lagen die Menschen ungeschützt in der Halle, ohne Sichtschutz oder Abtrennung zum Bettnachbarn. Inzwischen haben sie zumindest kleine Rückzugsmöglichkeiten, was der Einrichtungsleiterin wichtig war.

Integration bedeutet auch, Regeln einzuhalten

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Seit etwa drei Monaten leitet Dieta Brandt die ZEA in Neugraben-Fischbek.

Für Brandt beginnt die Integration von Flüchtlingen bereits nach ihrer Ankunft. So versteht sie ihre Arbeit und das macht sie auch deutlich. Dass Regeln eingehalten werden müssen, gehört für sie dazu. Etwa, dass es zum Miteinander gehört, dass man Ordnung hält und Rücksicht aufeinander nimmt. Auch im Umgang mit ihren Kindern haben die Flüchtlinge manchmal einfach andere Angewohnheiten als Europäer. "Wir haben hier auch Fälle, dass beide Eltern gemeinsam zum Deutschunterricht gehen und die Kinder allein auf dem Gelände lassen", erzählt Brandt. In Gesprächen mit den Eltern werden Regeln erklärt und darauf geachtet, dass diese auch eingehalten werden. Das fällt leichter, seit die ZEA keine Not- sondern eine sogenannte gesicherte Unterkunft ist. Das bedeutet: Die Flüchtlinge, die hier leben und ihren Asylantrag gestellt haben, bleiben in Hamburg. Sie werden nicht mehr in andere Bundesländer umziehen.

Sprachkurse und Berufspraktika vermitteln

Das Zusammenleben werde dadurch leichter, sagt Brandt. Für die Bewohner sei es entlastend, ohne mit der Angst leben zu müssen, demnächst an einen anderen Ort gebracht zu werden, sie könnten nun ankommen. Eine gute Grundlage für die weitere Integration der 300 Erwachsenen und 100 Kinder, die zurzeit hier leben und auf ihre Anhörung warten. Die Grundschüler gehen ab Januar in die Ganztagsschule, die älteren bekommen Unterricht in der Erstaufnahme und die Erwachsenen besuchen Deutschkurse. Brandt kümmert sich auch persönlich darum, dass es für die Menschen in ihrer Unterkunft vorangeht. Dazu gehören auch Termine mit der Agentur für Arbeit. Sie versucht, die Menschen in Berufspraktika zu bringen. "Damit sie neben dem Deutschkurs eine Aufgabe haben und wir einfach sondieren können: Wo könnte für den einen oder anderen der berufliche Weg weitergehen?", erklärt sie. Integration vom ersten Tag an - eben so versteht Dieta Brandt ihren Job.

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Dieses Thema im Programm:

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