Stand: 16.09.2015 18:34 Uhr

Zelte auch am Hamburger Hauptbahnhof

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In den Zelten soll es für die Flüchtlinge Nahrung, medizinische Versorgung und etwas Ruhe geben.

Seit etwa zehn Tagen haben Ehrenamtliche täglich mehrere Hundert schutzsuchende Menschen in der Wandelhalle notdürftig versorgt - jetzt sollen die am Hamburger Hauptbahnhof ankommenden Flüchtlinge in Zelten auf dem Hachmannplatz Nahrung, medizinische Hilfe und etwas Ruhe finden. Am Mittwochnachmittag wurden zwei Zelte aufgebaut, wie NDR 90,3 berichtete.

Vertreter der Bahn, der Wandelhalle, der Bahnhofsmission und der Polizei haben sich darauf geeinigt, die Lebensmittel künftig in den Zelten zu lagern und auszugeben sowie die Flüchtlinge dort medizinisch zu versorgen. Zudem können die Menschen hier geschützt vor neugierigen Blicken Ruhe finden - wenn auch nur für einige Stunden. Ehrenamtliche Helfer forderten die Stadt auf, zusätzlich 500 Schlafplätze für durchreisende Flüchtlinge zu schaffen.

Zusätzlicher Platz für 11.500 Flüchtlinge

Zuvor war bekannt geworden, dass Hamburg im gesamten Stadtgebiet bis Ende des Jahres zusätzliche Unterkünfte für 11.500 Migranten bereitstellen will. "Das ist eine Riesenkraftanstrengung", sagte der scheidende Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) im Interview mit der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit". Die Sozialbehörde habe zur Flüchtlingsunterbringung unter anderem zwei Hallen in Rahlstedt gekauft, sagte er der "Bild"-Zeitung am Mittwoch. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir zu solchen Maßnahmen greifen müssen", so der Senator, der im Oktober Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsagentur in Nürnberg wird.

Trotz des Beschlusses der Bundesregierung, mehrere große Drehkreuze für die Verteilung von Flüchtlingen zu errichten, soll es kein großes Verteilerzentrum in Hamburg geben. Das sagte Aydan Özoguz, Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, in einem Interview mit NDR 90,3.

Kleiderkammer mindestens bis Ende November in Messehallen

Unterdessen wurde bekannt, dass die Flüchtlings-Kleiderkammer mindestens bis Ende November in den Hamburger Messehallen bleiben darf. Das bestätigte ein Sprecher der Messe und Congress GmbH. Mit einem weiteren Umzug sei es sogar möglich, dass die Kleiderkammer bis kurz vor Weihnachten in den Messehallen beherbergt wird. Zuletzt hieß es, der Bezirk Mitte und die Messe hätten sich auf eine Verlängerung bis zum Jahresende geeinigt. Ursprünglich sollte die Kleiderkammer zusammen mit den 1.000 Flüchtlingen umziehen, die bis Ende September in der benachbarten Halle B6 untergebracht sind.

Zurzeit ist in den Einrichtungen der Stadt Platz für rund 25.000 Flüchtlinge. Ungefähr 2.000 Flüchtlinge leben in Zelten, die nun durch Heizgeräte winterfest gemacht werden sollen. Rund 850 Flüchtlinge leben bereits in Zelten der Bundeswehr, die standardmäßig mit Heizgeräten ausgestattet sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.09.2015 | 16:00 Uhr