Stand: 11.03.2016 13:14 Uhr

Wirbel nach Kündigung für "Kollektives Zentrum"

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Bezirkspolitiker in Hamburg-Mitte fürchten eine Eskalation im Streit um das "KoZe".

Die Aktivisten im linksalternativen "Kollektiven Zentrum" ("KoZe") im Hamburger Münzviertel haben von der Finanzbehörde eine Kündigung für ihre Räume erhalten. Politiker aus dem Bezirk Hamburg-Mitte kritisierten das Vorgehen der Behörde als Alleingang und fürchten nun eine Eskalation des Streits.

Politiker fühlen sich übergangen

Anlass für die Kündigung war eine Stromrechnung von Vattenfall in Höhe von 30.000 Euro. Diese Summe wollte der Mieter der ehemaligen Kita, Günter Westphal, nicht bezahlen. Seine Zweifel an der Höhe der Rechnung teilt auch Michael Osterburg, Fraktionschef der Grünen im Bezirk Hamburg-Mitte. Er und auch der Koalitionspartner SPD fühlen sich übergangen. Die Finanzbehörde wolle die Aktivisten raus haben, sagt Osterburg NDR 90,3. Die für die Gebäude zuständige Behörde habe sich mehrfach geweigert, an bereits vereinbarten Gesprächen teilzunehmen. Dabei sollte es um eine Entspannung der brisanten Lage gehen.

Grote soll vermitteln

Nun will Osterburg den ehemaligen Bezirksamstleiter und jetzigen Innensenator Andy Grote (SPD) einschalten. Er soll die Finanzbehörde zu Gesprächen an den Tisch holen. Grote habe nämlich kein Interesse mit der Polizei die Folgen zu tragen, die von der Finanzbehörde verursacht wurden, meinte Osterburg. Er hofft nun auf ein klärendes Gespräch gleich nach Ostern. Das "KoZe" will an dem Ort bleiben und versteht sich als Sprachrohr der Bürger im Münzviertel. Kritiker sehen im "KoZe" die Gefahr einer weiteren Roten Flora.

Investor will Wohnungen auf dem Gelände bauen

Seit Monaten gibt es Streit über die Zukunft des "KoZe". Die Stadt hat das 8.500 Quadratmeter große Areal in der Nähe des Hauptbahnhofes mit der ehemaligen Gehörlosenschule und einer leer stehenden Kita an den Investor Hanseatische BauKonzept verkauft, der dort rund 400 Wohnungen bauen will. Im "KoZe" sind mehrere Gruppen vertreten, es gibt eine Fahrradwerkstatt und diverse Kurse werden angeboten. Der Komplex soll bis auf ein unter Denkmalschutz stehendes älteres Gebäude abgerissen werden. Das Kita-Gebäude, in dem das "KoZe" untergebracht ist, kann laut Finanzbehörde so lange stehen bleiben, bis es den Bauarbeiten im Weg steht. Das wäre etwa voraussichtlich bis Sommer oder Herbst dieses Jahres.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.03.2016 | 13:00 Uhr