Stand: 17.08.2015 21:00 Uhr

"Wasserpfeifen sind gefährlicher als Zigaretten"

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Lungenspezialist Christoph Petermann warnt vor den Gesundheitsrisiken von Wasserpfeifen.

Shisha-Bars boomen und sind gerade bei Jugendlichen angesagt. Während Zigaretten nicht mehr als besonders cool gelten, liegt das Rauchen von Wasserpfeifen in gemütlicher Runde voll im Trend. Laut Studien hat jeder zweite Schüler schon einmal eine Wasserpfeife geraucht. Der Tabak schmeckt fruchtig und kratzt nicht im Hals - das kann ja nicht sonderlich gefährlich sein. Doch der Schein trügt gewaltig: Shishas sind weitaus gefährlicher als normaler Zigarettenqualm. Immer häufiger müssen Besucher von Shisha-Bars behandelt werden. Im Hamburger Grindelviertel war am Sonnabend eine 20-Jährige bewusstlos geworden - wegen einer Kohlenmonoxidvergiftung. Kohlenmonoxid entsteht durch die Verbrennung der Holzkohle, die für das Shisha-Rauchen benötigt wird. NDR.de hat mit Dr. Christoph Petermann, Leitender Oberarzt der Lungenabteilung im Asklepios Klinikum Harburg, über die Gefahren von Wasserpfeifen gesprochen.

Welche Gesundheitsrisiken birgt das Shisha-Rauchen? Wie gefährlich sind Wasserpfeifen?

Christoph Petermann: Wasserpfeifen sind ohne Frage gefährlicher als Zigaretten. Dadurch werden wesentlich mehr Giftstoffe aufgenommen. Neben Nikotin sind das beispielsweise auch Teer, Arsen, Formaldehyd und Schwermetalle wie Chrom, Nickel oder Kobalt - also viele Stoffe, die krebserregend sind. Wer eine Shisha raucht, raucht praktisch etwa 10 bis 20 Zigaretten. Der Kohlenmonoxid-Anteil ist drei bis vier Mal höher, weil der Tabak verschwelt. Gefährlich ist zudem, dass Kohlenmonoxid geruchs- und geschmacklos ist und deshalb nicht bemerkt wird. Steigt die Konzentration im Blut des Rauchers zu sehr, kann dies zu Übelkeit, Herz-Kreislaufproblemen, Schwindel und schließlich bis zur Ohnmacht führen. Die für die Aufnahme von Sauerstoff nötigen roten Blutkörperchen sind mit den Kohlenmonoxid-Molekülen vergiftet, weil sie eine stärkere Bindung zum Blutkörperchen haben.

Wie wird eine Kohlenmonoxid-Vergiftung behandelt?

Petermann: In schlimmen Fällen müssen die Patienten in einer Sauerstoff-Überdruckkammer behandelt werden. Dort werden die Kohlenmonoxid-Moleküle durch mit Sauerstoff angereicherte Luft wieder aus dem Blut herausgewaschen.

Wie hoch ist das Suchtpotenzial von Wasserpfeifen?

Petermann: Wasserpfeifen sind eine gefährliche Einstiegsdroge und können auf Dauer abhängig machen. Wenn der Gewöhnungseffekt eingesetzt hat, steigt das Bedürfnis, mehr zu rauchen - oder eventuell auch härtere Drogen zu nehmen. Wenn die Shisha in gemütlicher Runde von Mund zu Mund geht, können zudem am Mundstück auch Infektionskrankheiten wie Herpes oder Hepatitis übertragen werden.

Warum wird das Gesundheitsrisiko oft unterschätzt?

Petermann: Viele Menschen denken: "Das wird doch alles durch Wasser gefiltert!" Das ist aber falsch. Das Wasser wird nur zur Kühlung benutzt. Man inhaliert den Qualm dadurch länger und tiefer als bei heißen Zigaretten - und nimmt dadurch mehr Giftstoffe auf.

Ist es gefährlich, Wasserpfeifen in geschlossen Räumen zu rauchen?

Petermann: Shisha-Bars sollten auf jeden Fall gut gelüftet sein. Es sollten zudem regelmäßig Kohlenmonoxid-Messungen stattfinden. Vergiftungen sind zwar noch die Ausnahme, aber sie häufen sich. Auch Menschen in der Umgebung könnten betroffen sein, wenn nicht gut gelüftet wird.

Was halten Sie von elektronischen Shishas als Alternative?

Petermann: E-Shishas sind auf jeden Fall weniger gefährlich als normale Shishas, weil kein Tabakrauch mit dem gefährlichen Kohlenmonoxid und anderen Rauchgasen entsteht. Allerdings sind E-Shishas noch umstritten, weil noch nicht erforscht ist, wie gefährlich der Dampf ist. Die genauen Risiken sind noch unklar.

Das Gespräch führte Heiko Block, NDR.de.

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