Stand: 06.02.2016 13:45 Uhr

Flüchtlingskoordinator: "Gleichverteilung illusorisch"

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Anselm Sprandel ist für die Verteilung der Geflüchteten in Hamburg zuständig.

Der Hamburger Flüchtlingskoordinator Anselm Sprandel hält eine gleichmäßige Verteilung von Zehntausenden Flüchtlingen auf alle Stadtteile für nicht machbar. Das hatte der Dachverband "Initiativen für erfolgreiche Integration in Hamburg", der sich gegen geplante Großunterkünfte für Flüchtlinge einsetzt und eine entsprechende Volksinitiative anstrebt, zuletzt gefordert. "Eine völlige Gleichverteilung über die Stadt ist illusorisch", sagte Sprandel der Deutschen Presse-Agentur.

Hamburg schafft Zehntausende Plätze

Der Dachverband forderte unterdessen in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der NDR 90,3 vorliegt, mehr Engagement in Sachen Flüchtlinge. "Wir möchten, dass sich unser Erster Bürgermeister mit aller Energie und Kraft der größten Herausforderung, die Hamburg - wie Deutschland - in den nächsten Monaten und Jahren zu meistern hat, widmet und ein zukunftsfähiges Integrationskonzept erarbeitet", schreiben sie in dem Brief und fragen an Scholz gerichtet: "Glauben Sie daran, dass es gut ist, 700, 1.000, 2.000, 3.000 oder gar 4.000 Flüchtlinge in einer Großsiedlung unterzubringen?"

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Die Stadt hat vor, in diesem Jahr 40.000 neue Unterkunftsplätze zu schaffen. Von Großsiedlungen oder Massenunterkünften will Sprandel aber nicht sprechen. "Meiner Meinung nach sind das Kampfbegriffe", sagte er. Je nach Standort seien 400 bis 800 Wohnungen geplant, so viele wie auch bei anderen Wohnungsbauvorhaben üblich. Bestehende Großsiedlungen wie Steilshoop oder Mümmelmannsberg umfassten bis zu 13.000 Wohnungen.

Unterkünfte nicht alle voll belegt

Berechnungsgrundlage für die 40.000 neuen Plätze seien die Flüchtlingszahlen aus dem zweiten Halbjahr 2015. "Wir rechnen damit, dass 31.500 Menschen unterm Strich zu uns kommen", sagte Sprandel. Hamburg brauche aber mehr Plätze, weil aus praktischen oder technischen Gründen die Unterkünfte nicht zu hundert Prozent belegt werden könnten. Außerdem müssten vorübergehend noch weitere Flüchtlinge untergebracht werden, die Hamburg dann wieder verließen.

Im vergangenen Jahr hat Hamburg 22.299 Flüchtlinge aufgenommen. Davon mussten knapp 21.000 untergebracht werden. Insgesamt waren rund 61.600 Schutzsuchende in der Stadt. Hochgerechnet ergeben die Hamburger Zahlen, dass in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland kommen werden. Im vergangenen Jahr waren es etwa 1,1 Millionen. "Da liegen wir jetzt ein bisschen drüber, weil wir davon ausgehen, dass der Trend des zweiten Halbjahres sich zwar nicht in exakt der gleichen Höhe, aber doch im Wesentlichen so fortsetzt", so Sprandel.

Noch Tausende in Zelten oder Hallen

Auch wenn weniger Menschen als erwartet kämen, brauche Hamburg weitere Unterkünfte, sagte Sprandel. Denn noch rund 7.000 Menschen leben in Hamburg in Gewerbehallen oder Zelten. Außerdem werde die Stadt ja auch 2017 weitere Asylbewerber aufnehmen.

Tatsächlich erreichen derzeit weniger Menschen Hamburg als noch in den vergangenen Monaten. Im Januar kamen nach Angaben des Koordinierungsstabs 4.044 Menschen in die Stadt, im Dezember waren es 6.552 und im September und Oktober waren es jeweils mehr as 10.000 Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.02.2016 | 13:00 Uhr