Stand: 13.03.2016 10:02 Uhr

Viele Flüchtlinge "im Grunde Analphabeten"

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Glaubt, dass die Integration von Flüchtlingen schwierig wird: Dieter Lenzen.

Der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen, sieht wegen des Bildungsniveaus vieler Flüchtlinge große Integrationsprobleme auf Deutschland zukommen. Der Anteil von Hochschulabgängern etwa in Syrien sei innerhalb eines Altersjahrgangs mit 15 Prozent zwar annähernd gleich hoch wie in Deutschland mit 19 Prozent, sagte Lenzen. Das Problem seien die 65 Prozent eines Altersjahrgangs, die nach Pisa-Tests im Grunde Analphabeten seien. Sie könnten beispielsweise keinen Busfahrplan lesen. Lenzen verwies auch auf eine Studie des Volkswirtschafts-Professors Ludger Wößmann. Gleichzeitig kündigte Lenzen für Mai ein Gutachten des Aktionsrats zum Thema "Integration durch Bildung" an.

Oft keine berufsqualifizierenden Abschlüsse

Bisher sei der tatsächliche Bildungsgrad der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge weitgehend unbekannt. Allerdings ergäben Hinweise aus verschiedenen Quellen ein recht einheitliches Bild, heißt es in einem Beitrag des Leiters des Zentrums für Bildungsökonomik am Münchner ifo Institut, Wößmann. Es sei davon auszugehen, dass etwa zwei Drittel der Flüchtlinge aus den Hauptherkunftsländern keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss haben. In Deutschland seien dies 14 Prozent, schreibt Wößmann, ebenfalls Mitglied im Aktionsrat Bildung.

Sprachbarrieren und unterschiedliche Bildungssysteme

Auch im Hochschulbereich gebe es Schwierigkeiten bei der Integration von Flüchtlingen, sagte Lenzen. Ein Problem seien die Deutschkenntnisse. Sprachkurse seien sehr teuer, auf ganz Deutschland kämen rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zu. Ernüchternd sei bislang ein im Oktober 2015 gestartetes Programm der Universität Hamburg zur Integration von Flüchtlingen verlaufen. Von 2.900 Flüchtlingen wären nur 60 unmittelbar immatrikulierbar gewesen, so Lenzen. Dies liege jedoch auch daran, dass Bildungssysteme in Ländern wie Syrien anders aufgebaut seien als in Deutschland. Die Uni habe viele Flüchtlinge wieder wegschicken müssen.

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