Stand: 07.02.2013 18:32 Uhr

Verkauf der Kapernaum-Kirche sorgt für Wirbel

Die ehemalige evangelische Kapernaum-Kirche im Hamburger Stadtteil Horn soll zu einer Moschee umgebaut werden. Neuer Besitzer des bereits 2002 entwidmeten Gotteshauses ist das islamische Zentrum Al-Nour in Hamburg. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende Daniel Abdin. Der Kauf sei bereits Ende 2012 erfolgt.

Vor einer Nutzung als Moschee seien umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig. Deren Kosten schätze er auf gut eine Million Euro. Äußerlich soll sich das Gebäude nicht verändern, da es unter Denkmalschutz steht. Er hoffe, dass die Moschee zum 3. Oktober - neben dem "Tag der Deutschen Einheit" auch der "Tag der offenen Moschee" - eröffnet werden könne, sagte Abdin. Der Verein Al-Nour (arabisch = das Licht) engagiert sich nach eigenen Angaben seit 1993 für die Integration und den Dialog der Religionen. Auch die künftige Moschee solle nicht nur Muslimen offenstehen. Bislang nutzt Al-Nour nur eine stillgelegte Autogarage im Stadtteil St. Georg als Gebetsraum.

Viele kritische Stimmen

Kritisch zu dem Verkauf äußerte sich der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Hans Ulrich Anke. Zwar setze sich die EKD dafür ein, dass Muslime in Deutschland ihre Religion frei und gleichberechtigt ausüben können, sagte Anke. Dazu gehörten natürlich auch "angemessene Gottesdiensträume." Doch die Umwandlung einer Kirche in eine Moschee sei "kein angezeigter Weg". Anke: "Wo immer es geht: Kirche soll Kirche bleiben".

Hintergrund

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Auch Frank Schira, kirchenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, kritisierte das Vorhaben. Er appellierte an alle Beteiligten, über die Nutzung eines anderen Gebäudes als Moschee nachzudenken. Helge Adolphsen, ehemaliger Michel-Hauptpastor, sprach von einem "Dammbruch". Der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke nannte den Verkauf ein "Missgeschick". Kirche und Christentum seien mit dem Islam "nicht austauschbar".

Bischöfin Fehrs wünscht sich "unaufgeregte Diskussion"

Was passiert bei einer Entwidmung?

Kirchen trennen sich von ihren Gotteshäusern meist aus finanziellen Gründen. Wenn die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgeht, lohnt sich der teure Unterhalt nicht mehr. Bei einer Entwidmung verabschiedet sich die Gemeinde mit einem Gottesdienst von ihrer Kirche. Anschließend werden das Abendmahl-Geschirr, das Taufbecken und das Kreuz in einer Prozession aus dem Gotteshaus getragen. Altar, Kanzel und Glocken werden abgebaut. So ist beispielsweise in der Horner Kapernaum-Kirche nur noch der Altar-Sockel zu sehen.

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs wünscht sich eine "möglichst unaufgeregte Diskussion über die Situation" und einen "offenen und vorurteilsfreien Dialog zwischen Christen und Muslimen". "Wir hätten die Moschee-Idee nicht forciert, aber jetzt stellen wir uns der Situation und wollen sie mit der Al-Nour-Gemeinde konsensorientiert und positiv gestalten", sagte Fehrs. Die Bischöfin erinnerte daran, dass die Kapernaum-Kirche bereits vor zehn Jahren entwidmet wurde. Der Erhalt des maroden Gotteshauses seien weder der Gemeinde noch dem Kirchenkreis finanziell möglich gewesen. Verschiedene Ideen für eine kirchennahe oder soziale Nutzung seien damals gescheitert. Einen Abriss habe jedoch das Denkmalschutzamt nicht genehmigt. Daher sei 2005 der Verkauf an einen Hamburger Kaufmann erfolgt, und man habe jetzt auf den Weiterverkauf an Muslime keinen Einfluss mehr gehabt. Den Verein Al-Nour nannte sie einen "anerkannten und geschätzten Gesprächspartner". Die Kapernaum-Kirche wurde von 1958 bis 1961 nach Plänen des Hamburger Architekten Otto Kindt gebaut.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 06.02.2013 | 08:00 Uhr