Stand: 15.01.2016 09:30 Uhr

Umweltschützer sehen Elbe in Gefahr

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Ohne Saugbaggerschiff geht für Containerschiffe auf der Elbe jetzt schon nichts mehr.

Im Hamburger Hafen ist im vergangenen Jahr so viel Schlick weggebaggert worden wie nie zuvor. Insgesamt hat die Hamburg Port Authority (HPA) rund elf Millionen Kubikmeter aus der Elbe und den Hafenbecken holen lassen. Vor der bisher letzten Elbvertiefung 1999 mussten pro Jahr nur etwa zwei Millionen Kubikmeter entsorgt werden - so wenig wie seitdem nicht mehr.

Ohne Saugbagger verschlickt die Elbe also schon jetzt. Dieses Problem werde sich mit jeder weiteren Elbvertiefung verschärfen, so die Kritik von Umweltschützern. "Je tiefer die Elbe ausgebaggert wird, desto mehr Schlick wird bei Flut in den Hafen stromaufwärts geschoben", sagte Malte Siegert vom Naturschutzbund NABU. "Nach der nächsten Elbvertiefung könnte der Hafen am Schlick ersticken."

Schlick ist ein teures Problem

Der Schlick kommt die HPA außerdem immer teurer zu stehen. 2014 musste die Hafenverwaltung rund 60 Millionen Euro für das Ausbaggern und die Entsorgung ausgeben. Damals wurde aber nicht einmal halb so viel gebaggert wie im vergangenen Jahr. Den größten Teil des Schlicks haben Baggerschiffe unweit der Elbinsel Neßsand abgeladen. Rund acht Millionen Kubikmeter sind 2015 allein dort verklappt worden.

Noch einmal zwei Millionen Kubikmeter hat Hamburg nach Schleswig-Holstein gebracht. Ein geringer Teil wurde zudem an Land entsorgt, weil er mit Schadstoffen belastet ist. Dennoch gibt es an vielen Stellen im Hafen und in der Fahrrinne immer noch Schlickberge, im Köhlbrand etwa sind sie zwei Meter hoch.

Drei Baggerschiffe im Einsatz

Derzeit sind drei Baggerschiffe im Einsatz, Ende Februar soll ein weiteres dazu kommen. Nach Angaben der Wirtschaftsbehörde soll dann auch noch einmal Schlick in die Nordsee gebracht werden, damit bis Ende März an den entscheidenden Stellen im Hafen wieder die normale Tiefe erreicht ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.01.2016 | 08:00 Uhr

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