Stand: 09.06.2016 11:59 Uhr

Tornado-Schäden gehen in die Millionen

Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller: Nach dem schweren Unwetter am Dienstagabend laufen die Aufräumarbeiten in den Stadtteilen Farmsen, Bramfeld, Rahlstedt und Volksdorf im Hamburger Nordosten. Allerdings gibt es noch viel zu tun. So musste in Farmsen beispielsweise der Tegelweg voll gesperrt werden. Hier hatte der Tornado Bodenkontakt und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Etwa 20 Bäume drohen umzustürzen und müssen deswegen nach Angaben des Bezirksamtes Wandsbek gefällt werden.

Cornelia Bollmann und ihre Mutter vor der vom Tornado zerstörten Laube © NDR

Tornado hinterlässt Spur der Verwüstung

Hamburg Journal -

Mit 180 km/h wirbelte der Tornado über den Nordosten Hamburgs. Besonders hart traf es Farmsen und Berne. Dächer wurden abgedeckt, Keller liefen voll. Verletzt wurde niemand.

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Feuerkasse: Mehr als drei Millionen Euro Schaden

Insgesamt hat das Unwetter an mehreren Hundert Bäumen deutliche Spuren hinterlassen. Die Hamburger Feuerkasse erwartet nach den Schadensmeldungen ihrer Versicherten Kosten in Höhe von 3 bis 3,5 Millionen Euro. Die grobe Schätzung basiere auf Erfahrungswerten, sagte ein Sprecher. Für eine belastbare Aussage sei es noch zu früh, da nicht alle Schäden sofort erkennbar seien. An einigen Stellen waren Dachdecker und Gartenbaubetriebe bereits dabei, die Zerstörungen zu beseitigen.

Rund 250 Einsätze mit 1.000 Helfern

Die Feuerwehr war zu rund 250 Einsätzen wegen der Unwetterschäden ausgerückt. Da mehr als die Hälfte aller in Hamburg verfügbaren Feuerwehrkräfte im Einsatz war, galt vorübergehend der Ausnahmezustand. Das Personal der Leitstelle musste verdoppelt werden, um die vielen Anrufe entgegenzunehmen. Die Sägen der mehr als 1.000 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und anderen Einrichtungen dröhnten durch die Nacht. Auf einer vierspurigen Straße hätten Dutzende umgestürzte Bäume gelegen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Das stark beschädigte Dach eines neungeschossigen Hochhauses habe gerade noch vor dem Absturz gesichert werden können.

Schweres Unwetter im Nordosten Hamburgs

So haben User von NDR.de den Tornado erlebt:

  • Nicole Greve, 23.48 Uhr

    "Wir waren in Farmsen in unserem Schrebergarten, als es losging. Direkt über unserer Laube, Dach komplett zerstört, Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt. Die Laube unserer Gartennachbarin liegt komplett in Schutt und Asche, dass sie da unverletzt rausgekommen ist, grenzt an ein Wunder. An Schlaf ist wohl nicht zu denken, THW und Feuerwehr im Keller und auf dem Dach.

  • Pippi La., 23:42 Uhr

    "Das Spektakel fand genau vor unserem Haus statt. Es war genauso wie die Berichterstattung und das Video es wiedergegeben haben. Es war beängstigend!"

  • Bramfelder, 23.21 Uhr

    "Ich war mitten rein geraten mit dem Fahrrad. Die Wucht des Sturms kam völlig überraschend in der Fabriciusstraße, wie ein Faustschlag. Ich konnte mich gerade noch halten, absteigen und mich an eine Hecke drücken. Knapp neben mir schlugen Äste und diverse andere Gegenstände ein. Einiges traf mich auch am Fahrradhelm. Der herum fliegende Sand und Dreck brannte auf der Haut. Ein Stück eines Edelstahlschornsteins traf das Taxi, das neben mir gehalten hatte. Ich bin einfach nur unendlich froh, das ganze unverletzt überstanden zu haben."

  • Hafenmaus Hamburg, 22.11 Uhr

    "Wir waren im Auto auf dem Weg nach Rahlstedt, als uns das Unwetter voll getroffen hat. Direkt hinter dem Einkaufszentrum, wo das Video aufgenommen wurde. Der Hagel schlug so heftig auf mein Auto ein, dass ich nicht ohne Beulen davongekommen bin. Vor lauter Regen und Hagel konnte man nichts mehr sehen, geschweige denn weiterfahren."

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Kleingartenanlage in Farmsen verwüstet

Am stärksten betroffen sind mehrere Straßen in Farmsen-Berne: Dort richtete der Tornado erhebliche Schäden an - zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, Blitze schlugen in Häuser ein, in einigen Straßen wurden gleich reihenweise Bäume entwurzelt. Auch eine Kleingartenanlage wurde verwüstet. Der Tornado habe nur wenige Minuten gedauert, sagte eine 47-jährige Laubenbesitzerin, deren Gartenhaus schwer beschädigt wurde. Mithilfe eines Helikopters der Bundespolizei machten sich die Helfer ein Bild vom Ausmaß der Verwüstung. "Es ist keine Zerstörung auf ganzer Linie", beschrieb ein Feuerwehrsprecher die Lage vor Ort. "In einigen Straßen ist es so, dass manche Hausdächer beschädigt sind, aber ein paar benachbarte Häuser gar nichts abbekommen haben."

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Stellenweise mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter

Auch etwas abseits der Schneise, die der Sturm hinterlassen hat, kam es zu schweren Schäden. Im Stadtteil Rahlstedt fing laut Feuerwehr ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag Feuer, in Sasel wurde eine Straße überschwemmt. In Volksdorf hatten die Anwohner vor allem mit Hagel und Starkregen zu tun, dort liefen zahlreiche Keller voll. Satellitenbildern zufolge seien örtlich teils mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen, teilte der DWD mit. Die Wetterforscher erklärten, Tornados wie Dienstagabend in Hamburg gehörten weltweit zu den folgenreichsten Wettergefahren.

Klimaforscher Mojib Latif sagte am Mittwoch in Hamburg, er erwarte eine Zunahme der Tornados in Deutschland. Die Wettervorhersage stoße dabei an Grenzen, denn solche extremen Phänomene seien unvorhersehbar.

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Tornado hinterlässt Schäden in Hamburg

Es waren Bilder, wie man sie sonst eher aus Amerika kennt: Ein Tornado hat in Hamburg Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt. Video bei tagesschau.de. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2016 | 06:00 Uhr

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