Stand: 06.01.2015 07:30 Uhr

Technische Mängel bei Unglücks-Frachter

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Der Hamburger Frachter "Cemfjord" ist am Wochenende vor der schottischen Küste gesunken.

Die Suche nach den acht vermissten Besatzungsmitgliedern des gesunkenen Frachters "Cemfjord" ist eingestellt. Nun geht es um die Frage, warum das Schiff der Hamburger Reederei Brise am Wochenende vor der schottischen Küste sank. Wie NDR 90,3 am Montag berichtete, hatte der 30 Jahre alte Frachter offenbar einige technische Mängel. Er sei zuletzt nur mit Ausnahmegenehmigungen gefahren. Mängel hatte der Zementfrachter demnach unter anderem bei einem Rettungsboot. Bis Montag kommender Woche sollte ein neuer Kran installiert werden, mit dem das Boot ausgesetzt werden kann. Das steht in einem Schreiben des zypriotischen Generalkonsulats in Hamburg, das dem Radiosender vorliegt. Vorübergehend musste eine zusätzliche Rettungsinsel an Bord gebracht werden.

Probleme mit Pumpen

Aus einer weiteren Ausnahme-Genehmigung geht hervor, dass es zumindest noch vor wenigen Wochen Probleme mit dem Lenzsystem gab. Damit kann Wasser aus dem Rumpf des Schiffes nach draußen gepumpt werden. Die zypriotischen Behörden machten deshalb strenge Auflagen: Unter anderem sollten zwei bewegliche Pumpen an Bord gebracht werden, außerdem sollte sich die "Cemfjord" nicht mehr als 150 Meilen von der Küste entfernen.

Reederei: Der Frachter war voll seetüchtig

Bislang hatte die Reederei Brise angegeben, das Schiff habe die sogenannten Klasse-Inspektionen im Dezember 2014 erfolgreich bestanden. Auf Anfrage von NDR 90,3 bestätigte ein Reederei-Sprecher nun, dass es zwei offene Punkte gegeben habe. Der Zementfrachter sei aber voll seetüchtig gewesen. Die Auflagen der Behörden habe man ohne Ausnahme erfüllt.

"Es geschah sehr schnell"

Das Unglück hatte sich etwa 25 Kilometer vor der Hafenstadt Wick ereignet. Passagiere einer Fähre entdeckten das Wrack am Sonnabendnachmittag. Der Rumpf, der zunächst noch senkrecht aus dem Wasser ragte, ist mittlerweile komplett versunken. Zum Zeitpunkt des Unglücks hätten vor der schottischen Küste stürmische See sowie extreme Winde geherrscht, hieß es in einer Erklärung der Reederei. Die Crew habe keinen Notruf mehr abgesetzt. Zuletzt habe die "Cemfjord" Freitagmittag ein Signal abgegeben. Ein Sprecher der Rettungsmannschaften bestätigte der britischen BBC, das Wetter sei sehr schlecht gewesen. "Was immer auch geschah, es geschah sehr schnell."

Da die "Cemfjord" nicht unter deutscher, sondern unter zypriotischer Flagge unterwegs gewesen sei, könne die in Hamburg ansässige Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) keine Untersuchung zur Unglücksursache einleiten, berichtete NDR 90,3.

Auf dem Weg nach Liverpool

Laut Reederei befanden sich sieben polnische Seeleute und ein philippinisches Besatzungsmitglied an Bord des Frachters. Die "Cemfjord" hatte 2.000 Tonnen Zement geladen und sollte von Dänemark kommend am Montag den Hafen von Runcorn nahe Liverpool erreichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.01.2015 | 19:00 Uhr