Stand: 26.03.2016 22:00 Uhr

Tausende feiern friedlich auf dem Schanzenfest

Im Hamburger Schanzenviertel ist am Sonnabend das alternative Schanzenfest gefeiert worden. Tausende Menschen waren auf dem Straßenfest unterwegs, das den Besuchern Bühnen, Infostände, Musik und einen unkommerziellen Flohmarkt bot. Das Fest, das seit 1988 jedes Jahr immer im Spätsommer stattfand, war diesmal vorverlegt worden: aus Protest gegen die Kündigung einiger Mieter aus dem Schanzenhof, einem alternativen Stadtteilprojekt. Sie sollen Ende März ausziehen. In den vergangenen Jahren war es am Abend des Festes teilweise zu Ausschreitungen gekommen. In diesem Jahr verlief das Fest bis zum Abend ruhig und friedlich.

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Betroffen von den Kündigungen im Schanzenhof sind unter anderem das Hotel "Schanzenstern" samt Bio-Restaurant, die "Kulturetage" sowie die ambulante Drogenberatungsstelle "Palette". Der Boxclub "Epeios" ist bereits ausgezogen, das Programmkino 3001 wird zunächst bleiben. Entstanden war dieses soziokulturelle Zentrum, als 1990 die Füllfederhalterfirma Montblanc ihre Fabrik aufgab, die Stadt unter SPD-geführtem Senat das Ensemble aus fünf Gebäuden kaufte und unter anderem an Kulturschaffende günstig vermietete.

Entstehen soll ein Design-Hotel

Im Jahr 2006 war der Schanzenhof dann unter der CDU-Regierung, wie andere städtische Immobilien, an Investoren verkauft worden. Als seitdem dritter Eigentümer hatte 2013 die Immobilienfirma HWS das Haus gekauft, die von den Brüdern Maximilian und Moritz Schommartz geführt wird. Sie erhöhten die Mieten und wollen ein Design-Hotel in den Räumen entstehen lassen.

Aufruf zum "Widerstandsfest"

Mit dem Fest sollte dagegen nun rund um den Schanzenhof in der Bartels-, Susannen- und Schanzenstraße protestiert werden. Wie in den Jahren zuvor war es nicht offiziell angemeldet. Die Aktivisten riefen dazu auf, sich "solidarisch einzumischen und mit einem gemeinsamen Widerstandsfest rund um das Gebäude gegen Aufwertung und Umstrukturierung aktiv zu werden." Das Areal solle "symbolisch und praktisch eingekreist werden", hieß es in einer Erklärung der Organisatoren. Der Schanzenhof bleibe "ein umkämpfter Ort.“

Auch gegen Rassismus und Volksbegehren

Zudem wollten die Organisatoren ein "Signal gegen die aktuellen rassistischen Stimmungen" setzen: "Volksbegehren gegen Flüchtlingsunterkünfte öffnen keine Perspektiven für eine solidarische Stadtpolitik, sondern befördern rassistische Hetze und Rechtspopulismus." In der Schanzenstraße gab es zudem eine Bühne des Golden Pudel Club, der Mitte Februar durch einen Brand erheblich beschädigt wurde.

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