Stand: 02.06.2015 16:08 Uhr

Studie: Häfen stoßen an ihre Grenzen

Auf der ganzen Welt kommen die Häfen aufgrund der immer größer werdenden Containerschiffe an ihre Grenzen. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die zum Auftakt der Welthafenkonferenz in Hamburg präsentiert wurde. Die Einsparungen der Reedereien durch riesige Frachter nehmen laut Studie in Zukunft wieder ab. Bei den Häfen verursacht die Anpassung der Infrastruktur für die Großcontainerschiffe immer mehr Kosten. Wie die Häfen mit den Anforderungen durch immer größere Schiffe umgehen, war Hauptthema am ersten Tag der Welthafenkonferenz der International Association of Ports and Harbours (IAPH). Rund 900 Vertreter von Hafenbehörden, Verbänden und Unternehmen diskutieren in Hamburg bis Freitag über die Zukunft der Schifffahrt.

Immense Kosten für die Häfen

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Größe der Containerschiffe verdoppelt. In der gleichen Zeit seien die Transportkosten für die Boxen im Durchschnitt um ein Drittel gesunken, heißt es in der OECD-Studie. Die größten Schiffe sind derzeit etwa 400 Meter lang und fassen bis zu 20.000 Container. Allerdings müssten die Häfen auch immer mehr in die Infrastruktur investieren, um beim Größenwachstum mithalten zu können, schreiben die Autoren. So sind neue Containerbrücken, mehr Hinterlandverbindungen und mehr Flächen in den Häfen notwendig. Diese Kosten müssten zum Teil aus Steuergeld bestritten werden. Die OECD schätzt sie auf rund 400 Millionen Dollar jährlich.

Zweifel an Sinn noch größerere Frachter

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Immer größere Containerschiffe stellen die Häfen vor große Herausforderungen.

Der Australier Grant Gilfillan, Präsident der Welthafenkonferenz, forderte, dass in Zukunft nicht mehr die Reedereien das Wachstumstempo diktieren dürfen, sondern auch die Hafenbetreiber mitreden sollen. Ob sich noch wesentlich größere Schiffe volkswirtschaftlich rechnen, sei fraglich, heißt es in der OECD-Studie. "Wir sind dicht dran an dem Punkt, an dem größere Schiffe keinen Sinn mehr ergeben", sagte Olaf Merk, bei der OECD zuständig für Häfen und Schiffe. "Oder wir haben ihn bereits überschritten." Rund 60 Prozent der Kosteneinsparungen bei den Großschiffen würden durch modernere Motoren erreicht, nicht durch die Größe, sagte Merk. Zudem habe der Bestellboom bei den Großschiffen zu einer Überkapazität auf dem Markt und damit zu geringeren Erlösen der Reedereien geführt, was die Kostenvorteile zum Teil zunichte mache. Mit der Studie will die OECD eine Debatte unter allen Beteiligten der Transportwirtschaft und der Politik um die Zukunft der Großschiffe anstoßen.

Hamburger Hafen will "innovative Projekte zeigen"

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HPA-Chef Meier will den Konferenzteilnehmern innovative Projekte im Hamburger Hafen zeigen.

Die Hansestadt ist zum zweiten Mal nach 1985 Gastgeber der Welthafenkonferenz, die alle zwei Jahre stattfindet. In der IAPH sind etwa 60 Prozent aller Häfen und 80 Prozent aller Containerhäfen organisiert, wie der Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), Jens Meier, dem Hamburg Journal des NDR Fernsehens sagte. Eine Antwort auf die Anforderungen an die logistische Leistungsfähigkeit der Häfen durch immer größeren Schiffe sei eine weitgehende Digitalisierung der Dienstleistungen. "Wir wollen unseren Gästen innovative Projekte zum Anfassen zeigen. Das ist eindruckvoller, als Folien und Unterlagen zu präsentieren", sagte Konferenz-Gastgeber Meier. So sind zahlreiche Exkursionen zu den Vorzeigeprojekten des Hamburger Hafens geplant. Diese sollen den Hafen unter dem Stichwort "smartPort" für die Zukunft rüsten.

Effiziente Nutzung von Infrastruktur und Energie

Den Häfen geht es darum, die Organisation des Gütertransports, die Lenkung der Warenströme, den Energieverbrauch und den Einsatz der Ressourcen zu optimieren. Wegen der Nähe des Hafens zur Stadt können in Hamburg Straßen, Schienen und Wasserwege nicht unbegrenzt ausgebaut werden. Deshalb muss die vorhandene Infrastruktur besonders effizient genutzt werden. Neben der Logistik ist die Energie das zweite große Thema der Konferenz, nicht nur um Kosten zu sparen, sondern um die Umweltbelastungen durch Schifffahrt und Häfen zu reduzieren. Erst am Wochenende war im Hamburger Hafen die erste sogenannte Powerbarge in Betrieb gegangen. Mit Flüssiggas erzeugt sie vergleichsweise umweltfreundlichen Strom für Kreuzfahrtschiffe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.06.2015 | 16:00 Uhr