Stand: 22.11.2016 17:00 Uhr

St. Pauli-Boss: Brauchen Sporthalle auf Bunker

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Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, musste Kritik einstecken, weil der Verein eine Sporthalle auf dem Feldstraßen-Bunker nutzen will.

Scharfer Gegenwind für den Präsidenten des FC St. Pauli, Oke Göttlich, in "seinem Stadtteil": Bei einer Podiumsdiskussion im Tschaikowsky-Saal haben die meisten der etwa 100 Zuhörer ihrem Ärger lautstark Luft gemacht. Sie kritisierten, dass der Hamburger Verein die geplante Aufstockung und Begrünung des Feldstraßen-Bunkers unterstützt. "Wir sind Fans, aber das nehmen wir euch richtig übel." Göttlich warb bei der Veranstaltung am Montagabend für Verständnis. Der Club brauche die neue Sporthalle, die auf dem Bunker entstehen soll. Es sei derzeit die einzige realistische Möglichkeit, neue Sportangebote im Viertel zu schaffen. Die Aufstockung sei für den Verein nur wegen der Halle interessant. Einen Neubau könne man sich eben nicht leisten.

"Derzeit müssen wir Kinder und Jugendliche nach Hause schicken, weil wir keine Kapazitäten mehr haben. Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot", beschreibt Göttlich die missliche Situation des FC St. Pauli. Alternative Ideen seien vom Bezirk abgelehnt worden. Und in weit entfernten Stadtteilen wollten die etwa 10.000 aktiven Mitglieder auch keinen Sport treiben. Deshalb will der Verein die Halle auf dem Bunker neben dem Stadion mieten - beispielsweise für Tischtennis, Handball, Rollerderby oder Boxen.

So soll der grüne Bunker in St. Pauli aussehen

"Verein wird als poltischer Spielball genutzt"

"Leider wird der FC St. Pauli jetzt als politischer Spielball benutzt", betonte Göttlich. "Wir sind nicht schuld an der Aufstockung. Die kommt sowieso, ob mit oder ohne uns." Das habe man aus zahlreichen Gesprächen erfahren. "Dann lieber mit uns."

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Laut Carl Philipp Schöpe (SPD) spielt der FC St. Pauli eine große Rolle bei der Aufstockung des Bunkers.

Dem widersprach SPD-Politiker Carl Philipp Schöpe. "Der FC St. Pauli spielt schon eine sehr entscheidende Rolle", sagte das Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte. Eine reine Veranstaltungshalle auf dem Bunker könnte sich die rot-grüne Koalition nicht vorstellen. Schöpe verteidigte die Entscheidung für die Aufstockung und betonte, dass der Investor Thomas Matzen einige Auflagen zu erfüllen habe - sonst drohten harte Strafen.

Kosten bis zu 30 Millionen Euro

Matzen will den Bunker um 20 Meter bzw. fünf Stockwerke aufstocken, bepflanzen und dort unter anderem einen Park und eine Sporthalle bauen. Außerdem sind Hotel- und Gästeräume, Künstlerwohnungen, ein Amphitheater, ein Musikclub, Räume für die Stadtteilkultur und für Gastronomie geplant. Insgesamt soll auf und rund um den Bunker etwa ein Hektar Grünfläche entstehen. Die Kosten schätzt er auf 25 bis 30 Millionen Euro, die Bauzeit auf 16 bis 18 Monate.

Auflagen weitgehend erfüllt - aber doch fünf Stockwerke

Die Politiker von SPD und Grünen im Bezirk Mitte hatten dem Projekt im Juli zugestimmt, allerdings nur mit Auflagen. Die sind mittlerweile weitgehend erfüllt: Der Brandschutz sei gewährleistet, durch leichte Planänderungen werfe das Gebäude weniger Schatten und der Investor schaffe Parkplätze in der Umgebung, berichtete NDR 90,3 nach der Sitzung des Bauausschusses Anfang November.

Die geforderte Höhenreduzierung um zwei Stockwerke konnte von den Politikern allerdings nicht durchgesetzt werden, da der Bau einer Sporthalle den Angaben zufolge sonst nicht möglich wäre. Immerhin wird der Aufbau aber um 1,5 Meter von der Feldstraße in Richtung Millerntor-Stadion abgerückt, um die Verschattung zu mindern. Pro Jahr soll es zudem maximal 38 Veranstaltungen auf dem Bunker geben, um die Belastung für den Stadtteil möglichst gering zu halten. Wenn auf dem Heiligengeistfeld Dom ist, darf es dort keine Veranstaltungen geben.  

Noch ist die Bauprüfung allerdings nicht abgeschossen, es sind noch Details zu klären. Der Bezirk handelt mit dem Investor einen städtebaulichen Vertrag aus. Zudem will die Finanzbehörde den Erbbaurechtsvertrag mit Matzen verlängern - die anschließende Zustimmung der Bürgerschaft gilt als Formsache. Dann könnte vielleicht schon im Frühjahr mit dem Umbau des Bunkers begonnen werden.

Initiative kämpft weiter gegen Bunker-Aufstockung

Eigentlich sollte es bei der Veranstaltung, die von der Anwohner-Initiative Feldbunker organisiert wurde, hauptsächlich um die Zukunft des Heiligengeistfelds gehen - doch am Ende wurde fast nur über den Bunker gestritten. Kein Wunder, kämpft doch die Initiative noch immer gegen die Aufstockung und kündigte am Dienstag auf ihrer Internetseite eine Petition gegen das Projekt an: "Der Paragraph 34 BauGB besagt, dass einem Bauvorhaben nur dann stattgegeben werden kann, wenn es sich, nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt." Das Baudezernat des Bezirkes Mitte habe dieses Baugesetz ausgehebelt, "ohne eine gutachterliche Bewertung".

Anwohner wollen Planungssicherheit für Heiligengeistfeld

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Anwohner diskutierten zusammen mit Oke Göttlich und Carl Philipp Schöpe über die Aufstockung des Bunkers.

Unabhängig von der Bunker-Entscheidung wünschen sich die Anwohner, eine langfristige und vielseitige Diskussion über das Heiligengeistfeld. "Bevor erneut überraschende Planungen von privaten Investoren an die Stadt herangetragen werden, auf die dann die Bewohner der angrenzenden Quartiere unvorbereitet reagieren müssen", betonten Anke Haarmann und Mario Bloem von der Initiative. Das aktuelle Planrecht für das Heiligengeistfeld stamme noch aus dem Jahr 1955. Die Bedingungen hätten sich zum Teil erheblich verändert. Eine Bewertung und Überprüfung des Planrechtes - unter Einbeziehung der Nutzer und der Anwohner - sei sinnvoll und überfällig.

Der SPD-Abgeordnete Schöpe sagte, dass der Bezirk den Plan noch nicht geändert habe, weil der Status quo gut sei. Der Dom solle auf jeden Fall auf dem Heiligengeistfeld bleiben. Das war auch die einhellige Meinung der Zuhörer. Der Dom sei der beste Schutz vor Bebauung - zum Beispiel vor teuren Eigentumswohnungen. Das sollte aber auch planungsrechtlich abgesichert werden. Weitere Wünsche für die Zukunft der großen Freifläche mitten im Stadtteil: "etwas mehr Grün", "etwas für Jugendliche" und "mehr Sport-Flächen".

Schwimmhalle soll erhalten bleiben

Eine Anregung wird aber bestimmt erstmal nicht umgesetzt. "Die Sporthalle könnte ja an der Stelle der Schwimmhalle neben dem Stadion gebaut werden" - lautete die Forderung von vielen Anwohnern. Bäderland wolle die Halle ja sowieso bald abreißen. Dem widersprach aber Bäderland-Pressesprecher Michael Dietel auf Nachfrage von NDR.de: "Die Gerüchte sind völlig aus der Luft gegriffen. Die Schwimmhalle in der Budapester Straße ist wichtig für den Schul- und Vereinssport. Wir wollen sie erhalten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.11.2016 | 12:00 Uhr

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