Stand: 11.03.2016 21:03 Uhr

"Sexy Cora": Witwer fordert Schadenersatz

Fünf Jahre nach dem Tod der Porno-Darstellerin "Sexy Cora" beschäftigt der Fall seit Freitag erneut die Justiz. In einem zivilrechtlichen Verfahren vor dem Hamburger Landgericht forderte der Witwer Tim Wosnitza Schadenersatz von der Schönheitsklinik. Es geht nach Angaben eines Gerichtssprechers um die Summe von einer Million Euro.

Witwer: Einkünfte entgangen

Der 30-Jährige war nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ihr Manager und Geschäftspartner. "Sexy Cora", so der Künstlername seiner Frau, hätte sich langfristig in der Porno-Branche behaupten können, durch ihren Tod seien ihm Einkünfte entgangen. Die damals 23-Jährige, die mit bürgerlichem Namen Carolin Wosnitza hieß, wollte sich im Januar 2011 zum fünften Mal ihre Brüste vergrößern lassen - diesmal auf Körbchengröße 70 G. Während der Operation erlitt sie einen Herzstillstand, fiel ins Koma und starb einige Tage später an einer Hirnlähmung.

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Tim Wosnitza fordert von der Hamburger Schönheitsklinik Schadenersatz.
Männer bezahlten für Porno-Teilnahme

Wosnitza erklärte am Freitag im Hamburger Zivilgerichtsgebäude das Geschäftsmodell: Männer konnten sich zum Sex mit "Sexy Cora" verabreden. Einzige Bedingung für das Treffen mit der Porno-Darstellerin: Sie mussten sich dabei filmen lassen. Die Videos vermarktete Tim Wosnitza für viel Geld.

"Wir haben die Idee gehabt, die kein anderer hatte", sagte Wosnitza. Seit dem Tod seiner Frau bei der Schönheitsoperation sei alles anders. Er müsse heute 80 Stunden pro Woche im Marketing arbeiten, um das Geld zu verdienen, das er damals in zehn Stunden zusammenbekam, sagte Wosnitza. Er sei von Anfang an gegen die Operation gewesen, sagte er noch. Doch seine Frau habe die Brustvergrößerung unbedingt gewollt.

Gutachter tadelt Privatklinik

Die Zivilkammer hörte am Freitag auch einen Gutachter. Die Hamburger Privatklinik kam bei dem Hildesheimer Anästhesie-Experten Prof. Georg von Knobelsdorff nicht gut weg. "Es hat sich bei ihr um eine gesunde junge Frau gehandelt", sagte er über Carolin Wosnitza. Zum Tod habe der Sauerstoffmangel während der Operation geführt. "Es ist überhaupt keine andere Ursache denkbar." Zwar sei die 23-Jährige schließlich erfolgreich reanimiert worden, aber die Hirnschäden waren bereits so schwer, dass sie keine Überlebenschance mehr hatte.

Die Fehler der Narkoseärztin hätten auch dem Operateur auffallen müssen, sagte der Gutachter. Der Arzt bekannte aber in der Verhandlung: "Mitbekommen habe ich es leider nicht." Er habe operiert, bis er von dem Herzstillstand erfuhr. Eine Anästhesie-Schwester, die die Narkoseärztin hätte unterstützen können, gab es nicht. Das sei ein Verstoß gegen personelle Mindeststandards, sagte von Knobelsdorff.

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Das Grab von Carolin Wosnitza auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
Bewährungsstrafe für Narkoseärztin

Die bei der Schönheitsoperation zuständige Narkosärztin war im Februar 2013 vom Hamburger Landgericht wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sie hatte während der Operation den Herzstillstand von "Sexy Cora" zu spät bemerkt, weil der Alarmton an einem Überwachungsgerät ausgeschaltet war.

Parteien sollen sich bis April verständigen

Der Vorsitzende Richter der Zivilkammer, Hermann Antony, gab den Parteien Gelegenheit zur gütlichen Einigung. Bis zum 1. April sollen sie dem Gericht mitteilen, ob sie sich verständigen wollen. Wenn nicht, soll am 27. Mai eine Entscheidung verkündet werden.

Ursprünglich soll Wosnitza von der Klinik laut Medienberichten eine noch höhere Summe gefordert haben. Der Geschäftsführer der Klinik, Peter Henscheid, hatte dazu bereits vor Prozessbeginn erklärt: "Die in der Presse kolportierten Millionenzahlungen geben eine unrealistische Wunschvorstellung des Witwers wieder. Tatsächlich liegt der bislang nachvollziehbare Schaden im hohen fünfstelligen Bereich." Der Klinik-Geschäftsführer fügte hinzu: "Die involvierten Versicherungsgesellschaften werden einen berechtigten Schadensausgleich vornehmen und Herrn Wosnitza, soweit das möglich ist, finanziell über den Verlust seiner verstorbenen Ehefrau hinweghelfen."

Weitere Informationen

"Sexy Cora": Bewährungsstrafe für Ärztin

Nach dem Tod der Porno-Darstellerin "Sexy Cora" bei einer Operation in Hamburg ist die angeklagte Narkose-Ärztin zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. (05.02.2013) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.03.2016 | 09:00 Uhr