Stand: 09.12.2015 08:49 Uhr

Senat will mehr für den Klimaschutz tun

Der Hamburger Senat hat einen neuen Klimaplan beschlossen. Mit dessen Hilfe soll der Kohlendioxid-Ausstoß der Stadt in den kommenden Jahren deutlich gesenkt werden, wie Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag im Rathaus sagte.

Ehrgeizige Ziele

Jeder Deutsche erzeugt statistisch gesehen täglich soviel Kohlendioxid, wie in 6.000 Luftballons passt. Hamburg will diesen Wert senken. Laut Kerstan soll der Ausstoß des klimaschädlichen Gases in Hamburg bis 2030 um die Hälfte verringert werden - im Vergleich zum Jahr 1990. Bis 2050 sollen es sogar 80 Prozent sein.

Öffentlicher Nahverkehr, Radverkehr und Elektroautos

Eine große Rolle spielt dabei der Verkehr: Die Behörden sollen doppelt so viele Elektroautos bekommen wie bislang. Ihren Anteil im Behördenfuhrpark soll bis 2020 auf 50 Prozent steigen. Und mehr Hamburger sollen das Rad sowie Bus und Bahn benutzen. Kerstan will die Infrastruktur dafür verbessern. Dazu gehöre der Ausbau des StadtRAD- und des Bike-and-Ride-Systems sowie des öffentlichen Nahverkehrs und der Elektromobilität. Schulen und Hochschulen sollen künftig nicht mehr so viel Energie verbrauchen. Die Gebäude werden besser gedämmt, dafür gibt es 24,4 Millionen Euro zusätzlich.

Mehr Starkregen und mehr tropische Tage erwartet

Vor allem aber soll sich Hamburg besser auf den Klimawandel einstellen. Klimastudien sagen mehr Starkregen und Hitze auch in Hamburg voraus. Kerstan erklärte, "dass "sogenannte tropische Tage zunehmen werden". Es werde doppelt so viele Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad geben. Gegen die Folgen des Klimawandels sollen Deiche erhöht und Gründächer gefördert werden. Die bepflanzten Dächer sollen die Häuser vor der Hitze schützen, die Regenmassen abfangen und damit die Kanalisation entlasten.

Hoffnung auf Projekt "Norddeutsche Energiewende"

Ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz ist laut Kerstan auch das Projekt "Norddeutsche Energiewende  4.0" (NEW4.0), mit dem ein Allianz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bis 2025 eine Versorgung der Region zu 70 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen erreichen will. Vergangene Woche hat der Bund entschieden, das Gemeinschaftsprojekt mit Schleswig-Holstein zu fördern.

Viel Kritik am neuen Klimaplan

Hamburgs neuer Klimaplan habe gute Ansätze, der große Wurf sei er jedoch nicht, erklärte die Umweltschutzorganisation der BUND. Hunderttausende Wohnungen in der Stadt seien schlecht saniert und hätten deshalb einen viel zu hohen Energieverbrauch. Hausbesitzer müssten hier viel stärker in die Pflicht genommen werden. Mit bepflanzten Dächern, Elektroautos und mehr Fahrradfahrern werde Hamburg dem Klimawandel nicht begegnen können, kommentiert die Linke. Die FDP bezeichnet den Klimaplan als "planloses Nebeneinander" von Einzelmaßnahmen. Nur wenige von ihnen seien finanziell abgesichert. Inhaltsleer und untauglich sei der neue Plan, kritisiert die CDU. Nur die Handelskammer freute sich. Es sei gut, dass Hamburgs Firmen auch künftig nicht gezwungen werden, sondern sich freiwillig für Klimaschutz-Projekte entscheiden könnten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.12.2015 | 08:00 Uhr