Stand: 12.06.2015 11:33 Uhr

"Sea-Watch" hat Lampedusa erreicht

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Die "Sea-Watch" hat am 19. April Hamburg verlassen, nun hat sie die Mittelmeerinsel Lampedusa erreicht.

Der umgebaute Fischkutter "Sea-Watch" hat in der Nacht zum Freitag die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa erreicht. Mit dem Schiff will eine private Initiative dort Hilfe im Flüchtlingsdrama leisten. Es war am 19. April in Hamburg gestartet. Die "Sea-Watch" soll zwischen Libyen und Lampedusa kreuzen und der Küstenwache Flüchtlinge in Seenot melden.

Umbauten und Übungen

Initiator Harald Höppner sagte, dass bei dem Schiff in den kommenden Tagen eine Seilwinde für ein neues Beiboot und eine Meerwasser-Entsalzungsanlage eingebaut werden soll. Außerdem sollten Notsituationen wie "Mann über Bord" geübt werden. Vermutlich am Donnerstag kommender Woche werde die erste Rettungsfahrt beginnen. 

Schiff soll selbst keine Flüchtlinge aufnehmen

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Die "Sea-Watch" auf dem Weg ins Mittelmeer

Die Crew der "Sea-Watch" hat im April Hamburg in Richtung Mittelmeer verlassen. Sie will dort Flüchtlings-Boote suchen und Menschen vor dem Ertrinken retten. Bildergalerie

Die "Sea-Watch"-Crew will nicht selbst Bootsflüchtlinge an Bord nehmen. Dafür sei das 21 Meter lange und gut 5 Meter breite Schiff zu klein, sagte Höppner. Vielmehr soll die Besatzung nach Flüchtlingen in Not Ausschau halten und dann die Küstenwache verständigen. An Bord sind vier Mann Besatzung, drei Mediziner und ein Journalist. Das Basiscamp ist auf Lampedusa. Die Insel ist in den meisten Fällen die erste Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Libyen. Die Entfernung zwischen Libyen und Lampedusa beträgt etwa 300 Kilometer.

"Fast jeden Tag kommen hier Flüchtlinge an", sagte Höppner. "Ich glaube, jetzt im Sommer werden es vielleicht noch mehr werden, wenn die See ruhig ist." Seenotrettung allein werde das Problem nicht lösen können. Wichtig sei es, legale Wege nach Europa zu eröffnen.

Kostspieliger Einsatz

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"Sea-Watch"-Initiator Höppner will die Öffentlichkeit aufrütteln.

Die Initiative finanziert sich durch eigenes Geld und Spenden. "Inzwischen kommen genügend Spenden, dass wir nicht mehr nur eigenes Geld aufwenden müssen", sagte Höppner. Der Einsatz sei aber kostspielig. Eine Tankladung Diesel koste schon etwa 6.000 Euro. 

Höppner und seine Mitstreiter wollen nicht nur Flüchtlinge retten, sondern auch die Öffentlichkeit aufrütteln. Im April hatte Höppner als Gast der Talk-Show "Günther Jauch" den Moderator, die Gäste und die Zuschauer dazu gebracht, vor laufender Kamera eine Schweigeminute für die vielen Opfer einzulegen.