Sendedatum: 05.03.2016 08:45 Uhr

Schützt das Weltkulturerbe die City-Hochhäuser?

von Reinhard Postelt

Es drohte wieder so eine politische Alibi-Veranstaltung zu werden: Der Stadtentwicklungsausschuss hörte am vergangenen Dienstag Experten zum geplanten Abriss der vier grauen City-Hochhäuser an. So etwas machen Regierungsfraktionen schon mal, um die Opposition noch einmal schimpfen zu lassen und deren Kritik danach zu beerdigen. Der städtische Investoren-Wettbewerb ist nämlich seit vergangenem November entschieden: Das Hamburger Unternehmen August Prien hat gewonnen, will die Hochhäuser am Klosterwall abreißen und einen niedrigeren Neubau mit Büros, Hotel und Wohnungen errichten.

Ein Rundgang durch die City-Hochhäuser

Totgesagte leben länger

Doch der "Beerdigungs"-Ausschuss wurde zur Wiederbelebungsstation. Überraschend kam die UNESCO ins Spiel. Professor Berthold Burkhardt berät sie als Mitglied des Internationalen Rats für Denkmalpflege. Im Ausschuss verkündete er: Der Abriss der City-Hochhäuser könnte Hamburgs Weltkulturerbe schaden. Denn sie grenzten unmittelbar ans Kontorhausviertel: "Es steht ja in der Welterbe-Vereinbarung, dass der Ort, also Hamburg, eine Verpflichtung zur Erhaltung und Pflege eingegangen ist. Da ist von Abriss keine Rede." Der Senat hätte die UNESCO genau über die Abrisspläne informieren müssen - zwingend.

Weitere Informationen

City-Hof: Gegenwind für Abriss-Plan

Der Hamburger Senat will den denkmalgeschützten City-Hof am Hauptbahnhof an einen Abriss-Investor verkaufen. Aber Architekten und Stadtplaner sind für ein neues Bieter-Verfahren. mehr

Freie und Abrissstadt Hamburg

Die Stadt kann die Hüter des Weltkulturerbes nicht so leicht ignorieren wie die Denkmalschützer. Auch beim Verkauf des Commerzbank-Altbaus in der City diese Woche soll Hamburg dem Käufer gesagt haben: Abriss ist möglich, trotz Denkmalschutz. Viele Hamburger ärgert diese Abrisspolitik. Sie mutmaßen Kungeleien mit den Investoren. Aber sie legen nicht den Maßstab der Denkmalschützer an, die auch jedes hässliche Haus erhalten wollen, weil es in seiner Zeit besonders war. Sie wollen Schönes bewahren. So spricht sich für den Erhalt der City-Hochhäuser keine Bürgerbewegung aus, sondern Historiker und Architekten, allen voran Volkwin Marg. Er hat ein profundes Sanierungskonzept vorgelegt, scheiterte jedoch im Wettbewerb an Formalien.

Ein neuer Wettbwerb für 100 Jahre

Wollen wir aber wirklich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Architekturperle Chilehaus die vier Klötze stehen lassen? Hamburgs bedeutendster Bauhistoriker ist skeptisch. Professor Hermann Hipp fordert die "volle Freiheit" für eine Neugestaltung: "Ich vertrete den Standpunkt, dass hier keine Denkmalwürdigkeit vorliegt. Ich plädiere aber dafür, dass man umso mehr großes Gewicht darauf legt, diesen Platz endlich zu der Würde zu führen, die er verdient." Hipp und die anderen Experten forderten im Ausschuss einen völlig neuen Architektenwettbewerb. Gut so! Damit könnte Hamburg nicht nur die UNESCO zufrieden stellen, sondern eine wirklich große Lösung finden, die 100 Jahre überdauert und nicht nach 60 Jahren zum Abriss steht, wie die City-Hochhäuser.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 05.03.2016 | 08:45 Uhr