Stand: 01.10.2015 21:33 Uhr

Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften

Vier Verletzte, zertrümmerte Trennwände und Betten, aus der Verankerung gerissene Lampen: Das ist die Bilanz einer Schlägerei zwischen Flüchtlingen in einer Erstaufnahmestelle in Hamburg-Bergedorf. Rund 40 Polizisten hatten Mühe, die aufgebrachte Menge in der Nacht zum Donnerstag zu beruhigen. Insgesamt waren etwa 100 Menschen aneinandergeraten. Die Beamten nahmen acht Personen in Gewahrsam. Auch im Stadtteil Rahlstedt musste die Polizei bei einem Streit zwischen Flüchtlingsgruppen eingreifen.

Anlass für die gewaltsame Auseinandersetzung in dem ehemaligen Baumarkt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee in Bergedorf war offenbar ein Streit unter jungen Männern. Wie die Polizei mitteilte, waren syrische und afghanische Flüchtlingsgruppen in der Folge aneinandergeraten. Bei den Verletzten handelte es sich um zwei 16-Jährige, einen 18-Jährigen sowie einen 53-jährigen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Bereits am Mittwoch waren etwa 200 Menschen in der Unterkunft aufeinander losgegangen. Polizisten blieben vor Ort, um eine erneute Eskalation zu verhindern. Nach Informationen des Hamburg Journals wurde eine Gruppe Afghanen am Donnerstag in eine andere Unterkunft gebracht.

Neumann bedauert Gewaltausbrüche

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) bedauert die Krawalle in den Flüchtlingsunterkünften. Im Gespräch mit NDR 90,3 sagte er, er verstehe, dass Menschen nach einer langen Flucht ein "dünnes Nervenkostüm" haben. Zugleich drohte er mit Konsequenzen: "Ich erwarte von jedem, der nach Deutschland kommt, dass er sich auch an unsere Regeln hält. Denn es ist niemand gezwungen, in Deutschland Asyl zu beantragen. Und wenn es ihm hier nicht gefällt, wenn er meint, Gewalt ausüben zu müssen, dann können wir auch jederzeit eine Rückfahrkarte für ihn buchen."

Seit dem Einzug Kritik an Unterkunft

Vor etwa zehn Tagen waren in der neu erstellten Unterkunft in Bergedorf die ersten Flüchtlinge angekommen. Sie waren aus der inzwischen geschlossenen Erstaufnahme in den Messehallen dorthin gebracht worden. Gleich nach der Ankunft in Bergedorf gab es Kritik an den Zuständen dort. Zahlreiche Flüchtlinge verbrachten die ersten Nächte aus Protest im Freien, es kam auch zu einem Hungerstreik. In dem früheren Baumarkt gab es zunächst zu wenige Betten, auch die sanitären Einrichtungen und die Sauberkeit der Halle wurden bemängelt.

Auseinandersetzungen auch in Rahlstedt

Auch in der Unterkunft im Bargkoppelstieg in Rahlstedt kam es am Mittwochabend zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingsgruppen. Anlass war offenbar der Diebstahl eines Mobiltelefons. Schließlich rückte die Polizei dort mit 15 Streifenwagen an. Sie nahm den mutmaßlichen Dieb und vier weitere Personen, die an dem Streit beteiligt waren, vorläufig fest.

Innenbehörde: Kapazitäten sind erschöpft

Hamburg hat zunehmend Schwierigkeiten mit der Unterbringung von Flüchtlingen. Nach Angaben der Innenbehörde sind die Kapazitäten erschöpft. In der Nacht zum Mittwoch mussten etwa 500 Menschen vor der Registrierungsstelle in der Harburger Poststraße unter freiem Himmel schlafen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.10.2015 | 16:00 Uhr

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