Stand: 26.07.2017 14:37 Uhr

Schiller-Oper: Abriss und drei neue Gebäude?

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So stellt sich der Architekt den Innenhof des geplanten neuen Rundbaus auf dem Gelände der Schiller-Oper vor.

Der Streit um die Zukunft der denkmalgeschützten Schiller-Oper geht weiter. Am Dienstagabend hat der Bezirk Hamburg-Mitte die Bürger über die Pläne des Investors informiert. Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) zeigte erstmals Bilder der Entwürfe für eine mögliche Neubebauung des Areals im Stadtteil St. Pauli. Die Schilleroper Objekt GmbH, die das Projekt im Auftrag der offiziell nicht genannten Eigentümer-Familie vorantreibt, möchte den ehemaligen Zirkusbau abreißen - das war bereits bekannt. Neu ist: Anstelle der Rotunde aus dem 19. Jahrhundert möchte der Investor gleich drei neue Gebäude errichten. Und eines soll deutlich höher werden als die derzeitige Schiller-Oper.

200 Interessierte bei Bürgerversammlung

Etwa 200 Bürger kamen zu der Versammlung. Die baufällige Schiller-Oper und ihre Nutzung ist seit Jahrzehnten ein Thema in der Stadt. Das Gebäude war um 1890 als fester Spielort des Zirkus Busch errichtet und später als Theater und Opernhaus genutzt worden. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es dort keine Aufführungen mehr. Die Nebengebäude dienten seitdem als billige Herberge, Asylbewerber-Wohnheim und für Gastronomie-Betriebe. Der letzte Nutzer, ein Musik- und Kunst-Club, verließ die Schiller-Oper im Jahr 2006. Inzwischen gilt der gesamte Komplex als so marode, dass das Betreten verboten ist. Allerdings steht das Original-Stahlgerüst des früheren Zirkus' seit einigen Jahren unter Denkmalschutz, weil es einmalig in Deutschland ist.

Neubauten in Backstein-Optik geplant

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Die geplante neue Rotunde (l.) soll an die jetzige Schiller-Oper erinnern. Außerdem ist ein Wohnturm (r.) geplant und ein Wohnhaus, das in dieser Ansicht verdeckt wird.

Wie Bezirksamtsleiter Droßmann darlegte, planen die Investoren drei neue Gebäude mit Rotklinker-Fassade. Herzstück des Entwurfes des Architekten Max Dudler ist ein Rundbau mit Innenhof und Kuppel, bestehend aus Untergeschoss, Erdgeschoss und vier Obergeschossen. In dem Rondell mit einer Brutto-Grundfläche von knapp 4.000 Quadratmetern sollen Büros, Läden und Werkstätten entstehen. Der große Innenhof soll von allen Anwohnern im Viertel genutzt werden können. Auch eine Tiefgarage ist geplant. Auf der Südseite des Areals möchten die Investoren zwei Wohntürme bauen: einen mit neun Obergeschossen und einer Brutto-Grundfläche von 3.600 Quadratmetern und einen mit sechs Obergeschossen und knapp 2.000 Quadratmetern Gesamtfläche. In beiden Häusern sollen Mietwohnungen entstehen - in dem kleineren Gebäude öffentlich geförderte Sozialwohnungen.

Aufregung gab es in der Bürgerversammlung vor allem wegen der geplanten Höhe des einen Gebäudes, denn der Bebauungsplan lässt eine solche Größe dort gar nicht zu. Das bestätigte Droßman bei dem Infotreffen - und forderte die Eigentümer auf, den Entwurf zu überarbeiten.

Kann das Stahlgerüst erhalten werden oder nicht?

Die Schilleroper in Hamburg (April 2017) © NDR Fotograf: Jochen Lambernd

Gutachten: Konstruktion marode, Erhalt zu teuer

NDR 90,3 - Abendjournal -

Hamburgs Schiller-Oper ist eine der letzten Zirkus-Konstruktionen aus dem 19. Jahrhundert. Die Eigentümer erklären nun, warum sie das denkmalgeschützte Stahlgerüst nicht erhalten wollen.

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Bei der weiteren Planung ist das denkmalgeschützte Stahlgerüst der Schiller-Oper ein Knackpunkt. Die Eigentümer hatten bereits vor einigen Monaten ihre Neubaupläne an Bauamt, Bezirk und Denkmalschutzbehörde übermittelt. Laut einem Gutachten der Objekt GmbH ist das Stahlgerüst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht in einen Neubau integrierbar. Das sieht das Denkmalschutzamt anders: Ende Juni habe man den Eigentümern mitgeteilt, dass das Gutachten nicht ausreiche, um einen Abriss zu begründen, sagte Behördensprecher Enno Isermann NDR.de. Denn die zugrunde liegende Annahme von einer mangelnden Standsicherheit des Gerüstes sei "nach erster Prüfung so nicht richtig". Es habe auch bereits ein vertrauliches Gespräch mit der Eigentümerseite dazu gegeben. "Das Denkmalschutzamt wird weiter beratend tätig sein, um Wege aufzuzeigen, wie ein Neubau mit einem Erhalt der denkmalgeschützten Stahlkonstruktion - auch wirtschaftlich - möglich ist", sagte Isermann.

Die Baubehörde soll nun ein weiteres Gutachten erstellen, um diese Frage zu klären. Als das Gerüst vor einigen Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde, hatte ein Gutachter der Konstruktion trotz ihres Alters große Stabilität bescheinigt.

Bürgerinitiative wünscht sich Übernahme durch die Stadt

Die Schiller-Oper hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach den Besitzer gewechselt. Eine Bürgerinitiative setzt sich mittlerweile dafür ein, das Baudenkmal zu erhalten und fordert eine Nutzung, die allen Anwohnern des Viertels zu Gute kommt. Die Initiative kritisiert die Eigentümer der Schiller-Oper: "Sie kommen ihrer Pflicht nicht nach, das Denkmal zu erhalten, da passiert nichts", sagte Sprecherin Annalena Kirchler NDR.de. Den Aussagen des Denkmalschutzamtes, das sich bislang für einen Erhalt ausspricht, traue man nicht so recht. Es gebe in Hamburg zu viele Beispiele, wo die Behörde schließlich eingeknickt sei, um den Weg für Neubauten freizumachen. Die Initiative hoffe, "dass am Ende vielleicht die Stadt die Schiller-Oper kauft" - um sie im Sinne aller Bürger zu sanieren.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.07.2017 | 19:30 Uhr

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