Stand: 26.06.2017 17:55 Uhr

Rüdes Vorgehen gegen Mieterin

von Anne Ruprecht

Anfang September 2016 kommt Marie S. vom Segeln an der Ostsee nach Hamburg zurück. Zwei Tage war sie weg. "Ich habe gemerkt, dass mein Schlüssel nicht mehr ins Türschloss passt", erinnert sie sich. "Dann hab ich erstmal beim Vermieter angerufen. Und der Vater des Vermieters hat gesagt: Sie haben hier keine Wohnung."

Beginn eines Alptraums

Es ist der Beginn eines Albtraums. Mit Hilfe der Polizei und des Schlüsseldienstes kann sie sich Zutritt zu ihrer Wohnung verschaffen. Es folgt jedoch der nächste Schock: Die Wohnung ist fast komplett leer geräumt. Ihre ganzen Sachen - Möbel, Kleidung, persönliche Unterlagen, praktisch ihr ganzer Hausstand - verschwunden.

Polizei ordnet Fall als privaten Streit ein

Der Vater des Vermieters erklärt der Polizei: Marie S. habe die Wohnung selbst geräumt. Sie sei ausgezogen und habe den Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Marie S. erstattet Anzeige u.a. wegen Diebstahls gegen den Vermieter und den Vater des Vermieters. Die Polizei nimmt alles auf, mehr unternimmt sie zunächst nicht. Sie bewertet den Fall offenbar als privaten Streit zwischen Vermieter und Mieterin. Spuren werden nicht gesichert. Wichtige Zeugen wie Nachbarn, die Männer mit Kisten im Treppenhaus und einen Transporter hinter dem Haus beobachtet hatten, werden nicht befragt. Nach dem Hausstand der Mieterin wird nicht weiter gesucht.

Kathrin Schulz, die Marie S. als Strafrechtsanwältin vertritt, ist ziemlich fassungslos, wie leichtfertig der Fall hier als privater Streit abgetan wurde. „Auch wenn man es noch nicht rechtlich richtig einordnen kann“ sagt sie, „wenn wie hier etwas wirklich komisch aussieht, da müsste man dranbleiben!“

Gerichtsentscheidung läuft ins Leere

Von der Polizei allein gelassen, versucht Marie S. nun per Eilverfahren vor dem Zivilgericht ihre Sachen wiederzubekommen. Und hat damit Mitte Oktober zunächst Erfolg. Das Amtsgericht Hamburg-St. Georg gibt ihr Recht. Der Vermieter, so heißt es in der Gerichtsentscheidung,  habe „im Wege einer kalten Räumung die Gegenstände aus der Wohnung in Besitz genommen, ohne hierzu berechtigt gewesen zu sein.“ Per einstweiliger Verfügung verpflichtet das Gericht den Vermieter zur Herausgabe der Sachen. Eigentlich ein Sieg. Doch der hilft Marie S. nicht, denn die Gerichtsentscheidung läuft ins Leere: Die Vollstreckung scheitert. Der Gerichtsvollzieher kann nicht zustellen. Weder bei einer Adresse in Hamburg, noch in Wien, wo der Vermieter offiziell gemeldet ist.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 20.06.2017 | 21:15 Uhr

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