Stand: 03.06.2017 08:40 Uhr

Rickmers-Pleite: Überall nur Verlierer

von Dietrich Lehmann
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Der Hamburg-Kommentar von Dietrich Lehmann zur Insolvenz der Hamburger Reederei Rickmers.

Die Rickmers-Gruppe hat Insolvenz angemeldet, die Zukunft der Hamburger Reederei ist ungewiss, seitdem die HSH Nordbank dem Unternehmen in dieser Woche weitere Kredite versagt hat. Die Pleite ist die größte der jüngeren deutschen Schifffahrtsgeschichte. Nach acht Jahren Krise in der Branche trifft es jetzt eine der größten deutschen Reedereien. Es gibt nur Verlierer bei dieser Pleite.

Die Verlierer: Beschäftigte und Steuerzahler

Verloren haben vor allem die rund 2.000 Beschäftigten von Rickmers. Sie stehen vor einer unsicheren Zukunft, obwohl sie in den vergangenen Monaten hart dafür gekämpft haben, ihrer Firma das Überleben zu sichern. Verloren hat jeder einzelne Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein. Vom Kleinkind bis zum Greis. 500, 600, vielleicht 700 Millionen Euro muss die landeseigene HSH-Nordbank für Rickmers wahrscheinlich in den Wind schreiben, schätzen Experten. Geld, das eigentlich uns allen gehört.

Das Gebäude der Reederei Rickmers.

Reederei Rickmers ist pleite

Hamburg Journal -

Die HSH Nordbank hat den vorgelegten Sanierungsplan der Reederei Rickmers abgelehnt. Ein herber Schlag für viele Kleinanleger. Sie werden von ihrem Geld wohl keinen Cent mehr sehen.

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Verloren hat aber auch Hamburg, als maritimer Standort von Weltrang. Seit Jahren schrumpft in der Hansestadt die maritime Kompetenz, sagt Wirtschaftssenator Frank Horch. Die CDU-Opposition setzt noch einen drauf und ruft eine maritime Krise aus. Noch vor ein paar Jahren wurden tausende Schiffe von Hamburg aus gemanagt, ein beachtlicher Teil der Welthandelsflotte. Diese Zeiten sind vorbei.

Bertram Rickmers und sein Lebenswerk

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Bertram Rickmers betreibt die Reederei in fünfter Generation.

Den Reeder Bertram Rickmers auch als Verlierer zu sehen, fällt dabei schwer. Er wird zwar möglicherweise sein Lebenswerk, seine Firma, verlieren. Aber privat? Da war er bis vor kurzem noch ein gern gesehener Gast auf Society-Partys entlang der Elbchaussee, auf Sylt, auf Yachten im Mittelmeer. Einige in der Branche sind sich sicher, dass Bertram Rickmers schon seit langem genug beiseite gelegt hat - und dass ihm persönlich eine Insolvenz der Firma nichts anhaben kann.

Warnung an andere Reeder

Das alles geschah unter den Augen der HSH Nordbank. Und nicht nur Rickmers wurde so lange Zeit der Rücken gestärkt - auch anderen großen Schifffahrtshäusern links und rechts der Elbchaussee. Die gehören meist nur einem einzigen Mann, vielleicht noch einer Familie. Diese Reedereien haben Hamburg als Schifffahrtsstandort - und die HSH als Schiffsbank - zwar in den 90er- und Nullerjahren groß gemacht, aber sie sind durch ihre Gier auch Verursacher der jetzigen Krise.

Too big to fail, zu groß um fallen gelassen zu werden, lautete die feste Überzeugung dieser Reeder. Soll heißen: Wenn wir pleite gehen, dann geht auch die HSH Nordbank pleite. Diese Gewissheit ist mit der Rickmers-Pleite nun dahin. Andere Reedereien, die wie Rickmers auf dünnen Beinen stehen, sollten gewarnt sein - sonst sind sie die nächsten Verlierer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 03.06.2017 | 08:40 Uhr

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