Stand: 29.11.2017 15:49 Uhr

Prozess um Laserattacke bei G20-Gipfel

Vor dem Amtsgericht Altona muss sich seit Mittwoch ein 27 Jahre alter Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr verantworten. Er soll während des G20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli aus dem Fenster seiner Dachgeschosswohnung mehrmals einen grünen Laserstrahl auf einen Polizeihubschrauber gerichtet und dabei den Piloten und den Co-Piloten geblendet haben.

Verteidigung erhebt Vorwürfe

Die Verteidigung des gebürtigen Greifswalders erhob gleich zu Beginn des Prozesses schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft und die Sonderkommission "Schwarzer Block" hätten versucht, den Angeklagten zu Unrecht in einen Zusammenhang mit den gewaltsamen Auseinandersetzungen während des G20-Gipfels zu bringen, kritisierte Rechtsanwalt Oliver Klostermann. "Hier sitzt kein G20-Chaot", sagte er. Die Staatsanwaltschaft habe sich bei ihrer Anklage offenbar von "Star Wars" inspirieren lassen. Eine nächtliche Durchsuchung bei seinem Mandanten sei rechtswidrig gewesen, außerdem seien Akten manipuliert worden, beklagte Mitverteidiger Bernd Wagner.

Angeklagter äußert sich nicht

Der 27-Jährige, der seit viereinhalb Monaten in Untersuchungshaft sitzt, wollte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. "Der Angeklagte schweigt, aber er setzt sich mit aller Macht zur Wehr", erklärte Verteidiger Klostermann. Er wies darauf hin, dass es sich bei dem sichergestellten Lasergerät um einen handelsüblichen Apparat handele. Bei dem Vorfall sei niemand zu Schaden gekommen.

Hubschrauber sackte ab

Der Hubschrauber kreiste am Abend des 6. Juli in einer Höhe von 400 Metern und die beiden Piloten konnten während der Laserpointer-Attacke mehrere Sekunden lang nichts sehen. Der Polizeihubschrauber verlor währenddessen bis zu 300 Fuß an Höhe - das sind umgerechnet 91,44 Meter. Den Ermittlungen zufolge soll der Tatverdächtige so hartnäckig vorgegangen sein, dass der Hubschrauber hätte abstürzen können.

Zeuge: Beide Piloten geblendet

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Während des G20-Gipfels waren in Hamburg viele Hubschrauber unterwegs, einer wurde Ziel einer Laserpointer-Attacke.

Ein mit an Bord befindlicher Kameramann sagte als Zeuge aus, der Hubschrauber sei von mehreren Laserlichtstößen getroffen worden. Gleich der erste sei ein Volltreffer gewesen. In der Pilotenkanzel sei es schlagartig taghell gewesen, sagte der 50 Jahre alte Beamte aus Bayern. Der Pilot habe nichts mehr sehen können und den Co-Piloten gefragt, ob er das Steuer übernehmen könne. Doch auch der Co-Pilot sei vom Licht geblendet gewesen. Dann habe der Pilot aber die Maschine stabilisieren können. Er selbst habe die Wärmebildkamera auf die Quelle des Lichts gerichtet und einen Mann mit einem Laserpointer an einem geöffneten Dachfenster gesehen. Nach dem Laserangriff habe die Besatzung ihren eigentlichen Auftrag, das Demonstrationsgeschehen zu beobachten, abgebrochen, sagte der Zeuge weiter. Nach der Landung hätten sich die beiden Piloten in ein Krankenhaus begeben. Laut Anklage hatte einer von ihnen Kopfschmerzen, der andere litt an Blendempfinden.

Zunächst hatte die Polizei gegen den 27-Jährigen sogar wegen versuchten Mordes ermittelt. Dann sah das Landgericht bei einer Haftprüfung aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte einen Absturz des Hubschraubers und damit den Tod der Besatzung billigend in Kauf nahm.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.11.2017 | 17:00 Uhr

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