Stand: 19.01.2016 22:00 Uhr

Proteste gegen Großunterkünfte für Flüchtlinge

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Demonstranten machten vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Rathaus ihre Position klar.

Rund 400 Hamburger haben am Dienstag vor dem Rathaus gegen die geplanten Großunterkünfte für Flüchtlinge demonstriert. Anlass war eine Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss über den geplanten Bau von 5.600 Expressbauten. Wie NDR 90,3 berichtete, hatte der Dachverband "Initiativen für erfolgreiche Integration in Hamburg" zu der Demo aufgerufen.

Man sei nicht gegen Flüchtlinge, sondern für deren erfolgreiche Integration, betonte das Bündnis. Wohngettos, wie die Mitglieder der Initiativen die geplanten Großunterkünfte nennen, schafften soziale Brennpunkte und verhinderten die Integration von Flüchtlingen. Die Demonstranten drückten vor und auch während der Expertenanhörung im Stadtentwicklungsausschuss zu eben jenem geplanten Bau von Massenunterkünften mit Transparenten ihre Meinung aus.

Nur wenige Experten teilen Ablehnung

Doch bei der Anhörung im Rathaus teilten nur zwei der sieben Experten ihre Ablehnung. Allen voran Heinz Buschkowsky, Ex-Bezirksbürgermeister aus Berlin-Neukölln. Die geplanten Großsiedlungen mit 4.000 Flüchtlingen auf einem Fleck seien nicht durchmischt, die Flüchtlinge könnten nicht von den Deutschen lernen. "Reine Flüchtlingssiedlungen haben einen starken Drang zum sozialen Brennpunkt, weil die sozial Starken sich verkrümeln werden", sagte Buschkowsky. Übrig blieben die erfolglosen Migranten, die sich radikalisieren könnten.

"4.000 Flüchtlinge auf einem Ort ist natürlich eine unheimliche Masse, denn die Gefahr, dass die sich in eigenen Kreisen abkapseln und nicht integrieren ist einfach zu groß", sagte Verena Herfort vom Bundesverband der Freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

Für die Expressbauten sprachen sich dagegen Experten der SAGA GWG und der Universitäten aus. Hamburg müsste aber viele Quartiersmanager und Sozialarbeiter einsetzen. Damit die Integration gelingen könne, müssten die Flüchtlinge aus den Zelten und Containern heraus - in feste Wohnungen.

Wohnungsbau soll beschleunigt werden

Hamburgs Stadtentwicklungsbehörde hatte bereits im vergangenen Herbst beschlossen, wegen der vielen Flüchtlingen den sozialen Wohnungsbau massiv zu beschleunigen. Jeder Bezirk muss eine Fläche von mindestens sieben Hektar Größe für den sofortigen Wohnungsbau nennen. So sollen innerhalb eines Jahres Hunderte mehrstöckige Wohnhäuser entstehen. Möglich wäre das nur am Stadtrand mit Fertigbauteilen.

Die erste dieser Großunterkünfte entsteht in Neugraben-Fischbek - dort sollen 3.000 Schutzsuchende unterkommen. Anwohner haben bereits Klage angekündigt, sie wwürden nur 1.500 Flüchtlinge akzeptieren. Die Gegner der großen Wohnquartiere für Flüchtlinge können ihre Argumente am 11. Februar in der Bürgerschaft vorbringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.01.2016 | 22:00 Uhr

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