Stand: 10.08.2017 20:33 Uhr

Pfleger soll Heimbewohner misshandelt haben

Ein Fall von mutmaßlicher Misshandlung im Pflegeheim beschäftigt seit Donnerstag das Amtsgericht Wandsbek in Hamburg. Ein Pflegehelfer soll laut Anklage im April 2016 eine an Demenz erkrankte 84-Jährige Frau grob angefasst und geschlagen haben. Seit er neu im Nachtdienst war, hätten mehrere Bewohner des Tonndorfer Pflegeheimes an den Armen blaue Flecken gehabt, sagte eine Zeugin. Doch die wollte zunächst keiner sehen: Eine Kollegin des Pflegers hatte den Leiter des Pflegeheimes auf die Hämatome hingewiesen. Sie äußerte den Verdacht, dass er zu fest zupacke. Der Heimleiter aber schickte sie weg, sie solle nicht einfach Kollegen beschuldigen.

Kollegin sammelte Beweise

Also sammelte die couragierte Frau Beweise. Eines Nachts schlich die Frau ihrem Kollegen nach, als der im Zimmer einer bettlägerigen Bewohnerin verschwand. Sie hörte lautes Gebrüll und Schmerzensschreie, schaltete ihr Handy an und nahm alles auf. Nun landete ihr Kollege auf der Anklagebank.

"Ich habe viel Kraft", räumt der Angeklagte ein

Der Mann ist ein bulliger Typ mit Glatze, am Donnerstag trägt er im Amtsgericht ein kariertes Holzfällerhemd. "Ich kann nicht ausschließen, dass ich der Bewohnerin Schmerzen zugefügt habe", räumte er ein. "Ich habe viel Kraft." Die Vorwürfe aber bestreitet er, die Frau habe um sich geschlagen. Dem widersprachen am Donnerstag mehrere Zeugen. Der Prozess geht Ende August weiter. Seinen Job ist der 57-Jährige aber los. Als die Pflegerin dem Heimleiter das Video mit den Schmerzensschreien vorspielte, schickte er dem Kollegen sofort die Kündigung. Die aktuelle Heimleitung wollte sich zu dem Fall nicht äußern, er läge vor ihrer Zeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2017 | 17:00 Uhr

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