Stand: 22.06.2015 19:08 Uhr

Patriotische Gesellschaft setzt Stolpersteine

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Die Stolpersteine sollen an die in der NS-Zeit ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft erinnern.

Die Hamburger Patriotische Gesellschaft hat für ihre im Nationalsozialismus ausgeschlossenen Mitglieder Stolpersteine verlegen lassen. Am Montag wurden auf dem Gehweg vor dem Vereinssitz an der Trostbrücke 20 kleine Messingtafeln mit ihren Namen und biografischen Eckdaten enthüllt. Auf einem weiteren Schildchen steht: "Sie waren Mitglied der Patriotischen Gesellschaft". Bei der Enthüllung wurden mehrere Lebensgeschichten der damals wegen ihrer jüdischen Herkunft Geschassten vorgestellt. Unter ihnen waren etwa der Tabakhändler Richard Carl Abraham, den die Gestapo 1942 dazu trieb, sich das Leben zu nehmen, oder der Kinderarzt Moritz Nordheim, der sich 1938 umbrachte.

"Bruch in der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft"

Hamburger Bürger hatten die Patriotische Gesellschaft zur Förderung von Kunst, Bildung und Gewerbe 1765 gegründet. Eigentlich dem Wohle der Stadt verpflichtet, übernahm sie 1935 den sogenannten Arierparagrafen der Nazis in ihre Satzung - nur wenige Tage nach der Verkündung der Nürnberger Rassegesetze. Wer jüdischer Abstammung war, musste damals die Gesellschaft verlassen. Dabei hatten Juden in der Geschichte des Vereins eine wichtige Rolle gespielt, wie die Philosophin Marlis Roß in einer Arbeit darlegte.

"Der Ausschluss der jüdischen Mitglieder ist der größte Bruch in der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft gewesen", meint Roß. Die Philosophin, selbst Mitglied, hatte die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte des Vereins ins Rollen gebracht. Später legte eine Arbeitsgruppe der Gesellschaft eine weitere Publikation zu dem Thema vor.

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Stolpersteine in ganz Hamburg

Seit 2002 erinnern Stolpersteine im Hamburger Straßenpflaster an Opfer des Nazi-Regimes. Inzwischen sind es an die 5.000. Die Biografien von 2.700 Verfolgten wurden erforscht und sind im Internet nachzulesen. Von Juli an sollen nach Angaben der Landeszentrale für politische Bildung 250 Lebensgeschichten auch auf Englisch verfügbar sein. Außerdem arbeitet das Jugendbildungswerk Dortmund mit der Geschichtswerkstatt Minsk daran, die Biografien Hamburger Juden, die von den Nazis ins Ghetto der weißrussischen Hauptstadt deportiert wurden, ins Russische zu übersetzen.

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