Stand: 05.10.2017 14:08 Uhr

Özen gesteht Faustschlag gegen Autofahrer

Profiboxer, Friedenskämpfer, Schwiegersohn von Milliardär Michael Otto: Ismail Özen ist in Hamburg für verschiedene Rollen bekannt. Welche Rolle aber spielt er im Falle einer Schlägerei in Altona im vorigen Sommer? Seit Donnerstag steht er wegen des Vorwurfs der Körperverletzung vor dem Amtsgericht Altona.

In eine Falle gelockt?

Zum Prozessstart gestand Özen einen Faustschlag gegen einen Autofahrer. Er sei von seinem Neffen wegen einer Auseinandersetzung zu Hilfe gerufen worden, sagte der 37-Jährige. Als er mit einem Taxi am Ort ankam, hätten ihn zwei Männer mit einem Messer angegriffen. Andere Männer seien in einen Wagen gestiegen. Er habe vermutet, der Fahrer gehöre zu den Angreifern.

23-Jähriger erlitt Knochenbrüche in Gesicht

"Ich war unter Schock, habe den Faustschlag gegeben. Dann hat sich herausgestellt, dass er damit nichts zu tun hat", sagte Özen. Der 23-jährige Autofahrer erlitt schwere Frakturen im Gesicht und musste sich operieren lassen. Er bestätigte als Zeuge, dass es in der Juli-Nacht eine Auseinandersetzung gegeben habe, bei der mindestens ein Mann mit einem Messer auf Özen losgegangen sei.

Vor einer Garageneinfahrt seien ein Kollege und zwei weitere Männer zu ihm ins Auto gestiegen und er habe losfahren sollen. Plötzlich habe jemand die hintere Tür aufgerissen. "Ich dachte: Was geht ab? Und wollte gucken, was los ist und aussteigen. Da habe ich schon einen Schlag abbekommen", sagte der Zeuge. Nach Angaben des Verteidigers zahlte die Familie von Özen dem Verletzten noch am selben Abend 800 Euro Entschädigung. Im Dezember sei es zu einem Täter-Opfer-Ausgleich gekommen.

Neffe angeblich bedroht

Özen ist ein politisch engagierter Kurde. Er hatte nach der Attacke spekuliert, der türkische Geheimdienst könne hinter der Sache stecken. Anfang des Jahres hatte Özen gesagt, sein Neffe sei von mehreren "türkischen, rechtsradikalen Terroristen" bedroht worden. Der 17-Jährige sagte am Donnerstag als Zeuge aus, er habe an dem Juli-Abend auf einer Mauer gesessen und Pokémon gespielt. Plötzlich seien Unbekannte gekommen und hätten ihn provoziert. "Wenn du Eier hast, hol mal deinen Onkel", hätten sie ihm gesagt. Dann hätten sie ihn gezwungen, dem Onkel eine SMS zu schreiben.

Fortsetzung am 19. Oktober

Ein 19-jähriger Zeuge räumte ein, er habe den Neffen provoziert, nachdem er dazu den Auftrag von einer Frau bekommen habe. Sie habe ihm dafür Geld versprochen. Als Özen und zwei Männer mit einem Messer auftauchten, sei er in ein Auto geflüchtet. "Ich habe den Kopf zwischen die Beine gesteckt und geweint, weil ich solche Angst hatte", sagte der Zeuge, von Beruf Kurierfahrer. Das Gericht will den Prozess am 19. Oktober mit weiteren Zeugenvernehmungen fortsetzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.10.2017 | 17:00 Uhr

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