Stand: 09.09.2013 15:28 Uhr

Öko-Aktivisten versenken symbolisch Millionen

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591 Millionen Euro werden für die Elbvertiefung "versenkt", finden die Umweltschützer.

Ein riesiger Geldschein versinkt in der Elbe im Hamburger Hafen. Die Zahl darauf: 591 Millionen Euro. So viel soll die geplante Elbvertiefung den Steuerzahler laut der Umweltverbände BUND, NABU und WWF kosten. Ihrer Meinung nach, ist das Projekt reine "Geldverschwendung". Am Montagmittag haben die Organisationen gemeinsam eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) vorgestellt. Dieses hatte im Auftrag des WWF untersucht, welche Einsparungsmöglichkeiten sich aus einer stärkeren Kooperation der deutschen Seehäfen ergeben würden.

Mehr Koordination der Hafenstädte gefordert

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung existiert seit 1985 in Berlin. Wissenschaftler aus den Wirtschafts-, Sozial-, Natur- und Ingenieurswissenschaften forschen gemeinsam im Auftrag verschiedener Bundes- und Landesbehörden, Umweltverbänden, internationaler Institutionen und Unternehmen. Die Forscher arbeiten zu den Themen ökologische Unternehmens-, Umwelt- und Produktpolitik sowie ökologischer Konsum und nachhaltige Energiewirtschaft.

Das Fazit der Naturschutzverbände: "Deutschland kann sich den unkoordinierten Ausbau von drei konkurrierenden Hafenstandorten nicht leisten - weder ökologisch noch ökonomisch." Es sei, so die Studie, nicht sinnvoll Elbe und Weser für größere Containerschiffe auszubaggern, da mit dem JadeWeserPort (JWP) in Wilhelmshaven bereits ein deutscher Hafen bereitstehe, an dem große Schiffe anlegen könnten. Zudem sei der JWP bei Weitem nicht ausgelastet. "Warum sollen Steuerzahler aus ganz Deutschland einen irrwitzigen Konkurrenzkampf dreier Bundesländer um dieselben Containerschiffe finanzieren?", so WWF-Expertin Beatrice Claus. Der WWF hatte bereits im Frühjahr ein Gutachten präsentiert, das zu ähnlichen Schlüssen kam.

Mehr als 520 Millionen Euro verfügbar ohne Flussvertiefungen

Laut des IÖW könnten durch stärkere Kooperation der Hafenstädte rund 520 Millionen Euro für andere dringend notwendige Infrastrukturprojekte frei werden. So heißt es in dem Gutachten: "Insgesamt ließen sich bei der Unterlassung der Elbvertiefung etwa 400 bis 450 Mio. Euro einsparen." Denn ein Teil der Gesamtkosten von maximal 591 Millionen Euro sei bereits ausgegeben. Bei der Weservertiefung könnten laut der Studie jetzt noch 120 Millionen Euro eingespart und beispielsweise in den sanierungsbedürftigen Nord-Ostsee-Kanal investiert werden.

Hafenwirtschaft lehnt Ideen ab

Die Umweltschützer schlugen vor, zunächst einen Teil der Fracht von Containerriesen in Wilhelmshaven abzuladen, sodass sie dann ohne Tiefgangsprobleme über die Elbe nach Hamburg fahren könnten. So sei keine Vertiefung notwendig. Bei der Hamburger Hafenwirtschaft sorgt dieser Vorschlag allerdings für Kopfschütteln. Wo die Container abgeladen werden, entscheide nicht die Politik oder die Hafenwirtschaft - sondern allein der Kunde in Übersee, hieß es. Der Hamburger Hafen sei aufgrund seiner Lage, der guten Hinterlandanbindung sowie der hohen Qualität und Zuverlässigkeit für die Reeder äußerst attraktiv.

Flussvertiefungen: Seit Jahren umstrittene Projekte

Die Umweltverbände haben sowohl gegen die Weser- als auch die Elbvertiefung Klage eingereicht. Sie bemängeln Verstöße gegen das Naturschutzrecht und zweifeln die wirtschaftliche Notwendigkeit an. Die Hafenwirtschaft sieht zukünftig Arbeitsplätze in Gefahr, wenn die Elbvertiefung nicht kommt.

Weitere Informationen

Elbvertiefung: Baggern oder bewahren?

Die geplante siebte Elbvertiefung ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen der Hafenwirtschaft und Umweltschützern. NDR.de bietet einen Überblick über Pläne und Risiken der Fahrrinnen-Anpassung. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 09.09.2013 | 14:00 Uhr