Stand: 08.07.2015 17:12 Uhr

"Neue Mitte Altona": Ärger um Fernwärme

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Maaß wirft dem Senat Etikettenschwindel bei der Energieversorgung in Altona vor. Er war früher für die Grünen Staatsrat in der Umweltbehörde.

Der Hamburger Senat schummelt beim Thema Klimaschutz für die "Neue Mitte Altona“. Das besagt ein Gutachten des Hamburg Instituts über die Fernwärme-Versorgung des geplanten Quartiers, wie NDR 90,3 am Mittwoch berichtete.

Kein "Klimamodellquartier"?

Ein "Klimamodellquartier" verspricht der Senat für die rund 1.600 Wohnungen am Bahnhof Altona, die im ersten Bauabschnitt entstehen sollen. Der Bebauungsplan verlangt "überwiegend erneuerbare Energien" beim Wärmenetz. Doch dann wurde ein Vertrag mit dem Energieversorger Vattenfall über Fernwärme geschlossen, die ja meist aus Kohlekraftwerken kommt. Statt der geforderten 120 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilowattstunde seien es über 300 Gramm, stellte Experte Christian Maaß vom Hamburg Institut fest: "Wir sehen, dass die Anforderungen des Bebauungsplans nicht erfüllt werden, nämlich, dass überwiegend aus erneuerbaren Energien Wärme geliefert werden muss. Deswegen ist es unzulässig, so vorzugehen."

Vattenfall hält dagegen, die "Neue Mitte Altona" erhalte Fernwärme aus erneuerbaren Energien, nämlich aus der Müll- und Holzverbrennungsanlage Borsigstraße. Das Hamburg Institut sieht einen Verstoß gegen das sogenannte Doppelvermarktungsverbot. Es regelt streng, dass nur so viel Öko-Energie verkauft werden darf, wie auch wirklich produziert wird. Für die Fernwärme gebe es jedoch keinen eindeutigen Nachweis.

Umweltbehörde will Gutachten prüfen

Hamburgs Umweltbehörde will das Gutachten prüfen, erkennt aber bisher keinen Verstoß gegen das Doppelvermarktungsverbot. Maaß spricht dagegen von Etikettenschwindel.

Zudem verlange Vattenfall für seine angeblich saubere Fernwärme 40 Prozent mehr Geld. Maaß: "Es kann am Ende natürlich nicht sein, dass die Bewohner einfach nur mehr zahlen und dieselbe Wärme bekommen, die am Ende aus Steinkohle besteht." Statt Vattenfall-Fernwärme fordert er Blockheizkraftwerke und die Nutzung der Sonnenwärme.

Das Städtebauprojekt "Neue Mitte Altona" umfasst das Gebiet des bereits vor längerer Zeit aufgegebenen Güterbahnhofs sowie brachliegende Brauereiflächen. Dazu kommt noch in einem zweiten Schritt das Gelände des Fernbahnhofs Altona, der zum Diebsteich verlegt werden soll. Insgesamt sollen rund 3.600 Wohnungen entstehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.07.2015 | 17:00 Uhr