Der G20-Gipfel kommt am 7. und 8. Juli nach Hamburg - doch der Protest ist schon lange vorher in der Hansestadt angekommen. So wie hier an den Landungsbrücken drückt er sich meist bunt und kreativ aus. Doch leider wird es auch andere Bilder geben.
Der Gipfel inspiriert die Kritiker zu den außergewöhnlichsten Aktionen: Die Teilnehmer der Performance "1.000 Gestalten" wollen am Mittwoch in der City ein Zeichen für mehr Solidarität und politische Partizipation setzen.
Andernorts ist die Vorbereitung weniger künstlerisch. Viele Läden in der Stadt bereiten sich auf mögliche Krawalle vor - so wie hier der Budnikowsky-Drogeriemarkt im Schanzenviertel.
Am Dienstagabend gibt es einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Zunächst versammeln sich viele vor allem junge Menschen, um bei Bier und Musik lässig gegen G20 zu protestieren. Die Polizei will sicherstellen, dass alle Straßen frei bleiben und setzt zur Räumung Wasserwerfer ein.
Die Ruhe vor dem Sturm: Auf der Kennedybrücke Yoga wird Donnerstag früh zur Protestform unter dem Motto "Bridges to humanity".
Auf dem Hamburger Flughafen wird es dann ernst: Später am Tag fliegen die Staats- und Regierungschefs ein. US-Präsident Donald Trump landet mit seiner eindrucksvollen "Airforce One" am Nachmittag.
Erste massive Zwischenfälle gibt es am Donnerstagabend auf der Demo "Welcome to hell": Die Polizei stoppt den Zug kurz nach Beginn, weil nach Angaben der Beamten zu viele Vermummte im "schwarzen Block" mitmarschieren. Es folgen Zugriffe der Polizei und Attacken auf die Einsatzkräfte.
Auch nach der Demo kommt es in der Nacht immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen militanten Aktivisten und der Polizei. Barrikaden brennen, Wasserwerfer werden eingesetzt. Es gibt 45 Festnahmen und viele Verletzte auf beiden Seiten.
Zur gleichen Zeit findet das imposante "Global Citizen Festival" in der Arena im Volkspark statt. Bei dem Protestkonzert stehen zahlreiche Superstars auf der Bühne, unter anderem die britische Band Coldplay mit Sänger Chris Martin.
Der Freitagmorgen beginnt mit einem Schock: Randalierer ziehen brandschatzend durch Altona, zünden mehrere Autos an und zerschlagen Fensterscheiben. Rauch steigt über der Stadt auf.
Am Vormittag des ersten offiziellen Gipfeltages stehen gleich mehrere Proteste an. Unter anderem ruft das Bündnis "Jugend gegen G20" zum Bildungsstreik auf.
Viele der Proteste stehen unter dem Motto "Block G20 - colour the red zone". Trotz bunter Aufmachung ist die Botschaft der übergeordneten Aktion eine ernste: Die Demonstranten wollen mit Sitzblockaden die Gipfelteilnehmer stören.
Tatsächlich gelingt es den Demonstranten, den Auftakt zu stören. Am Mittag haben es jedoch alle Staats- und Regierungschefs zum traditionellen "Familienfoto" in der Hamburger Messe geschafft.
Draußen wird derweil weiter demonstriert: So setzen sich die Teilnehmer bei der "Gay20-Gipfel"-Demo für globale Menschenrechte von Homosexuellen ein. Auch die "Critical Mass"-Fahrraddemo radelt gegen die Politik der G20-Staaten.
Am Abend gibt es das zweite Familienbild mit den Gipfel-Teilnehmern - und ihren Partnern - vor Hamburgs neuem Wahrzeichen: der Elbphilharmonie. Auf dem Programm steht Beethovens Neunte.
Den ganzen Freitag über gibt Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Randalierern. Am Abend dann eskaliert die Lage im Schanzenviertel. Chaoten setzen Barrikaden in Brand und plündern Geschäfte. Erst gegen Mitternacht rückt die Polzei mithilfe von Spezialkräften vor.
Samstag früh zeigt sich das Ausmaß der Verwüstung im Schanzenviertel: Zahlreiche Geschäfte, wie die Budni-Filiale am Schulterblatt, sind komplett demoliert. Die Holzplatten vor den Fenstern haben in diesem Fall nicht geholfen.
Bei den Aufräumarbeiten packt am Sonnabend nicht nur die Stadtreinigung mit an: Auch Einsatzkräfte der Polizei räumen die teilweise zerstörten Leihfahrräder im Schanzenviertel weg.
Auch die Anwohner des Schanzenviertels packen bei den Aufräumarbeiten mit an und pflanzen unter anderem an einer Stelle, an der die Chaoten Pflastersteine aus dem Straßenbelag gerissen haben, Blumen.
Die Demonstrationen im Laufe des Sonnabends sind überwiegend friedlich. Zehntausende laufen bei dem Protest unter dem Motto "Grenzenlose Solidariät statt G20" mit.
Bei der Abschlusskundgebung am Millerntorplatz herrscht dann eine gelöste Atmosphäre. Einer der Demonstranten umamt unter dem Applaus der Umstehenden einen Polizisten.
Etwa zeitgleich versammeln sich Tausende Menschen zum großen Demonstrationszug "Hamburg zeigt Haltung". Das Plakat "Make Hamburg peaceful again", zeigt, was sich viele Hamburger nach zwei Krawallnächten wünschen: wieder etwas Ruhe und Frieden.
Auch auf dem Schulterblatt im Schanzenviertel zeigt sich die Ablehnung gegen die Randalierer, die das Viertel am Vorabend verwüstet haben. "Go away schwarzer Block - Hamburg ist bunt" hat jemand mit Kreide auf den Boden gemalt.
Am Nachmittag tritt Kanzlerin Angela Merkel vor die Presse und verkündet die inhaltlichen Ergebnisse des Gipfels: Es gibt einen Kompromiss beim umstrittenen Thema Freihandel, beim Klima bleibt es beim Streit zwischen den USA und allen anderen Gipfelteilnehmern.
Zum Ende des G20-Gipfels ist es auch der Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Bedürfnis, sich bei den Einsatzkräften in Hamburg zu bedanken. Zuvor verurteilt sie die "entfesselte Gewalt und ungehemmte Brutalität" einiger Demonstranten. Den Opfern sagt sie Entschädigungen zu.
Am Abend, als alle Staatsgäste des G20-Gipfels abgereist sind, herrscht auf der Schanze zunächst friedliche Stimmung. Doch nach Sonnenuntergang fliegen wieder Flaschen und Steine, es wird Müll angezündet. Wasserwerfer kommen zum Einsatz. Die Krawalle erreichen aber nicht das Niveau der Vornacht.
Am Sonntag organisieren sich rund 10.000 Freiwillige, die die Spuren der Verwüstungen in der Schanze und umliegenden Vierteln beseitigen.
Dank des Engagements der Bürger sieht es am späten Nachmittag im Schanzenviertel fast so aus, als sei nie etwas gewesen.