Stand: 27.09.2017 17:41 Uhr

Nach G20: Razzien gegen mutmaßliche Plünderer

Fast drei Monate nach den G20-Krawallen im Hamburger Schanzenviertel präsentiert die Polizei ihren ersten Fahndungserfolg im Fall der Plünderungen von Supermärkten und Geschäften: Bei der Durchsuchung von 16 Wohnungen und Läden in Hamburg und Schleswig-Holstein stellten die Beamten der Sonderkommission "Schwarzer Block" am Mittwoch hochwertige Handys sicher. Allein in einem Handyladen in der Schanze waren am Abend des 7. Juli Geräte im Wert von 100.000 Euro verschwunden. Sieben iPhones konnten die Beamten jetzt sicherstellen - die meisten in Privatwohnungen, eines in einem Handy-Laden in Wilhelmsburg. Der Inhaber steht im Verdacht der Hehlerei. Gegen die anderen wird wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Doch es ist unsicher, ob sie die Handys selbst geklaut oder nur von Hehlern gekauft haben.

Soko-Leiter spricht von Gelegenheitstätern

Zudem seien drei Drogendelikte und drei Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt worden. Die 100 an der Aktion beteiligten Polizeibeamten hätten jedoch niemanden festgenommen, sagte Soko-Leiter Jan Hieber. Keine der etwa der Hehlerei verdächtigen Personen sei wegen politisch motivierter Kriminalität polizeibekannt gewesen. Es handle sich vermutlich um Gelegenheitstäter.

Mehr als 2.000 Ermittlungsverfahren

Insgesamt führt die Hamburger Sonderkommission schon 2.000 Ermittlungsverfahren wegen aller Delikte während des G20-Gipfels - vom Steinwurf bis zur Brandstiftung. "Wir gehen davon aus, dass wir perspektivisch bei 3.000 Ermittlungsverfahren landen werden", sagte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Die Polizei und der Verfassungsschutz schätzten, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 5.000 Täter aktiv waren.

25.000 Videos werden ausgewertet

Die Auswertung der Krawall- und Plünderungsbilder dauert an: Laut Soko-Chef Hieber liegen rund 25.000 Einzelvideos vor. Aus Überwachungskameras in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen sei eine dreistellige Zahl an Festplatten sichergestellt worden. Über das Online-Portal seien 7.000 Hinweise eingegangen, die jetzt analysiert würden. "Ich glaube, dass noch viele Straftäter, die sich im Augenblick sicher wähnen, da noch eine Überraschung erleben werden", sagte Hieber. Er hoffe auf weitere Ermittlungsansätze durch den Einsatz einer Gesichtserkennungssoftware. Die Ermittler würden dabei alle datenrechtlichen Vorschriften beachten.

Bei der Staatsanwaltschaft würden derzeit 319 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Verdächtige geführt. 23 Verdächtige säßen noch in Untersuchungshaft. Ursprünglich waren 52 Haftbefehle erlassen worden. Die 180-köpfige Soko hatte neun Tage nach dem Gipfel am 17. Juli ihre Arbeit aufgenommen.

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