Stand: 28.05.2015 10:52 Uhr

NS-Kriegsverbrecher: Verfahren eingestellt

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Ein Denkmal in Sant' Anna di Stazzema erinnert an die Toten des Massakers der Waffen-SS.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher eingestellt, der 1944 an einem Massaker in der Toskana beteiligt gewesen sein soll. Der Beschuldigte sei demenzkrank und dauerhaft verhandlungsunfähig, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Hunderte Zivilisten getötet

Der heute 93-Jährige soll am 12. August 1944 als Kompaniechef an der Tötung von mehreren Hundert Zivilisten in der italienischen Ortschaft Sant' Anna di Stazzema in der Provinz Lucca beteiligt gewesen sein. Die Auswertung des Aktenmaterials habe zu dem Ergebnis geführt, dass der Beschuldigte - wäre er verhandlungsfähig gewesen - mit hoher Wahrscheinlichkeit "wegen grausamen und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mordes in 342 Fällen anzuklagen wäre", hieß es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft.

Von italienischen Gerichten verurteilt

Der 93-Jährige lebte zuletzt in einer Seniorenwohnanlage im Stadtteil Volksdorf. Im Zweiten Weltkrieg war er Kompanieführer bei der Waffen-SS. Bei dem Verbrechen in Sant'Anna di Stazzema hatte die Waffen-SS insgesamt 560 Menschen erschossen oder mit Handgranaten umgebracht. In Italien war der 93-Jährige bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen vielfachen Mordes verurteilt worden. Da Deutschland keine eigenen Staatsbürger ausliefert, musste der Mann seine Haftstrafe aber nicht antreten. Erst nach langem juristischen Tauziehen hatte eine Hamburger Opferanwältin erreicht, dass die deutsche Justiz doch noch aktiv wurde.

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