Stand: 14.12.2015 09:46 Uhr

NABU kritisiert Wohnungsbaupläne des Senats

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Hamburgs NABU-Chef Porschke fordert, dass die Stadt erst mal ungenutzte Gewerbeflächen und Büros als Flüchtlingsunterkünfte nutzt.

Die Naturschutzorganisation NABU hat scharfe Kritik an der neuen Wohnungsbaupolitik des Hamburger Senats geübt. Die Stadt nutze den Zuzug von Flüchtlingen als Alibi, um auch auf der grünen Wiese zu bauen. Um genug Wohnungen bauen zu können, sollen demnächst teilweise sogar in Schutzgebieten Häuser entstehen, zum Beispiel in den Stadtteilen Hummelsbüttel und Öjendorf.

Porschke: Flüchtlinge als Ausrede

Für den Hamburger NABU-Chef Alexander Porschke ist das ein Tabubruch. "Das sind wirklich großflächige Grün- und Freiräume, die nicht umsonst jahrelang vor der Inanspruchnahme für Siedlungszwecke verteidigt worden sind", sagte er im Gespräch mit NDR 90,3. Selbstverständlich müssten die Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht werden. Porschke warf der Stadt vor, die Flüchtlingskrise als Ausrede zu benutzen, um nun auch auf der grünen Wiese Neubaugebiete zu schaffen. Bisher sei das verpönt gewesen. Es sei jedoch ein lukratives Geschäft, rechnete Porschke vor: "Ein Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche kostet unter fünf Euro. Sobald er zu einer Wohnungsbaufläche entwickelt ist, kostet er gerne mal 500 Euro."

Stadtentwicklungsbehörde: Neue Naturschutzflächen als Entschädigung

Statt grüne Wiesen zuzubetonieren sollte die Stadt erst einmal nach ungenutzten Gewerbeflächen und leer stehenden Büros suchen, forderten die Umweltschützer. "Das tun wir schon längst", entgegnete die Stadtentwicklungsbehörde. Für größere Unterkünfte seien aber zusammenhängende Flächen nötig. Wenn der Natur deshalb ein Stück weggenommen werde, würden als Entschädigung neue Naturschutzflächen geschaffen, erklärte ein Behördensprecher. Bereits im November hatte Oberbaudirektor Jörn Walter NDR 90,3 gesagt, dass sich unter dem Flüchtlingsstrom Hamburgs Stadtbild verändern werde.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.12.2015 | 08:00 Uhr