Stand: 06.05.2017 08:40 Uhr

Masterplan gegen schlechte Luft

von Barbara Renne

Nun ist es raus: das böse F-Wort. F wie Fahrverbote. Sorry, so dürfen wir sie ja gar nicht nennen. An der Max Brauer-Allee und in der Stresemannstraße soll es künftig "Durchfahrtsbeschränkungen" geben, keine Fahrverbote. Darauf legt der Senat großen Wert. Und an dieser semantischen Spitzfindigkeit zeigt sich das ganze Dilemma des neuen Masterplans gegen schlechte Luft: Er greift zu kurz, es fehlt der Mut und die politische Einigkeit zwischen den grünen und roten Regierungspartnern.

Stau

Smog: Hamburgs Luft soll sauberer werden

Hamburg Journal -

Wegen des Schiffsverkehrs und den vielen Dieselfahrzeugen sind die Stickoxid-Werte in Hamburg besonders hoch. Umweltsenator Kerstan hat den neuen Luftreinhalteplan vorgestellt.

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Das, was am Dienstag im Rathaus vorgestellt wurde, sind richtige Ansätze, aber kein großer Wurf. Beispiel Fahrverbote: Immer wieder brachte Umweltsenator Jens Kerstan sie ins Spiel - immer wieder wurde er von Bürgermeister und Verkehrssenator zurückgepfiffen. Nun darf er endlich, aber auch nicht wirklich. Denn die Mini-Fahrverbote  werden kaum etwas bringen.

Luftverpester dürfen weiterfahren

Die Dieselstinker verschwinden nicht, sie biegen nur in die Nebenstraße ab, um dann nach 600 Metern wieder aufzutauchen. Das Fahrverbot ist kaum zu überprüfen, die Bußgelder von 20 Euro lapidar. Und an anderen betroffenen Straßen wie der Habichtstraße wird erst gar nichts gemacht. All die anderen Maßnahmen: mehr Radfahrer, mehr U-und S-Bahnlinien, abgasarme Busse.  Alles richtig. Aber alles schon bekannt und nicht genug. Solange nicht an der Menge der Fahrzeuge geschraubt wird, wird Hamburgs Luft nicht besser. 

Zu wenig Maßnahmen für den Hafen

Der Plan ist zu unverbindlich, er will niemandem etwas zumuten. Erst recht nicht der wirtschaftlichen Herzkammer der Stadt, dem Hafen. Ein viel schlimmerer Umweltsünder als bislang bekannt war. Nicht nur vor, sondern auch in Wohnungen in Altona sind horrende Luftwerte gemessen worden. Bald gibt es: mehr Landstromanlagen, eine elektrifizierte Hafenbahn und neue Hafengebühren, die sich nach der Sauberkeit der Schiffe richten. Alles schön und gut. Aber das meiste davon ist freiwillig.  Was das für Folgen hat, wenn es nur Angebote gibt statt klipp und klare Vorgaben, zeigt das Beispiel Landstrom: Von den 40 Kreuzfahrtschiffen, die Hamburg anlaufen, nutzt nur eines die Landstromanlage in Altona.

Der Umweltsenator verspricht: Spätestens 2025 könnten sich die Hamburger darauf verlassen, dass die Grenzwerte für Luftgifte eingehalten werden.  Ein Recht darauf haben sie aber schon seit sieben Jahren. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 06.05.2017 | 08:40 Uhr

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