Stand: 29.11.2015 15:21 Uhr

Marion Dönhoff Preis für NSA-Kritikerin

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Die US-Dokumentarfilmerin Laura Poitras nahm die Auszeichnung in Hamburg persönlich entgegen.

Der diesjährige Marion Dönhoff Preis geht an eine US-Amerikanerin: Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras nahm am Sonntag in Hamburg die Auszeichnung für internationale Verständigung und Versöhnung entgegen. Sie hatte sich einen Namen gemacht, indem sie die Öffentlichkeit über die weitreichende Spionage-Tätigkeit des US-Geheimdienstes NSA aufklärte. Ihr oscarprämierte Film "Citizenfour" schildert die Geschichte der Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden.

Für die mutige Frau gab es beim Festakt im Deutschen Schauspielhaus Standing Ovations. "Die Stärke unserer Demokratie hängt in den kommenden Jahren von der Stärke der Presse ab", sagte Poitras. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert.

Auch Genscher geehrt

"Eine Kämpferin für Freiheit und Menschenwürde" nannte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum die Produzentin und Regisseurin. Er hielt die Laudatio. Poitras führe "einen massiven Kampf gegen die Freiheitseinschränkungen in den USA" nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Mit ihrem Mut, ihrer Zivilcourage und ihrer Bereitschaft, für ihre Überzeugungen ein hohes Risiko einzugehen, sei Poitras ein Vorbild. Rund 1.200 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien waren zu der Preisverleihung gekommen.

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Hans-Dietrich Genscher hat seine Auszeichnung nachträglich entgegengenommen.

Außerdem nahm der langjährige Bundesaußenminister und FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher nachträglich den Marion Dönhoff Preis 2014 entgegen. Die Auszeichnung hatte er im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht entgegennehmen können. Genscher wird für seine Verdienste um die deutsche Einigung geehrt.

Förderpreis für Syrienhilfe

Den diesjährigen Förderpreis erhält der 2012 gegründete Verein Barada Syrienhilfe aus dem bayrischen Münchberg. Der dort ansässige syrische Arzt und Christ Marwan Khoury organisiert seit 2012 - unter Lebensgefahr für die Helfer vor Ort - die Lieferung von Medizin, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern in seine vom Krieg zerstörte Heimat. Auch dorthin, wo die großen Hilfsorganisationen nicht hinkommen, wie die Laudatorin, Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) hervorhob. Khoury rief in Hamburg dazu auf, sich sowohl der Terror-Organisation "Islamischer Staat" als auch dem Assad-Regime entgegenzustellen. Auch der Förderpreis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Die Preise werden jährlich von der Wochenzeitung "Die Zeit", der "Zeit"-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie der Marion Dönhoff Stiftung verliehen - nun zum 13. Mal. Ausgezeichnete sind im Sinne der engagierten Publizistin Marion Dönhoff (1909-2002) "Menschen, die wissen, worum es geht".

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