Stand: 14.03.2016 11:40 Uhr

Letzte Ruhe für Hamburger Aleviten

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Die traditionelle Langhals-Gitarre, der Saz, kann künftig bei den alevitischen Trauerfeiern auf dem neuen Friedhof in Hamburg erklingen.

Hamburg bekommt den ersten alevitischen Friedhof Europas. Nach Informationen von NDR 90,3 erhält die Religionsgemeinschaft ein eigenes Gelände auf dem Bergedorfer Friedhof. Auf den rund 5.000 Quadratmetern ist Platz für etwa 250 Gräber, Abschiedsräume und Büros. Der Bezirk Bergedorf stellt den Aleviten das Gebäude, eine ehemalige Schulsporthalle, kostenlos zur Verfügung. Die Gemeinde muss lediglich die Betriebskosten tragen.

Trauerfeiern ohne Kopftuch und mit Musik

Die Aleviten sind erleichtert, dass sie nun über einen eigenen Friedhof verfügen, denn in der Vergangenheit habe es oft Konflikte mit muslimischen Bestattern gegeben, erklärt Ismail Ceylan, der Vorsitzende der alevitischen Stiftung in Hamburg. Aleviten gelten zwar oft als Teil des Islam. Ihre Lebens- und Glaubenspraxis unterscheidet sich aber wesentlich: Es gibt zum Beispiel keine ort- und zeitabhängigen rituellen Gebete. Außerdem sind Männer und Frauen auch im Gottesdienst gleichberechtigt.

Diese Unterschiede kommen auch bei Beerdigungen zum Tragen. "Alevitische Frauen tragen beispielsweise keinen Schleier, und auch rituelle Waschungen der Trauergäste kennen wir nicht. Dafür erklingt bei uns - anders als bei Muslimen - Musik, und zwar mit der traditionellen Langhals-Gitarre, der Saz", sagt Ceylan.

Der Friedhof soll allen Menschen offenstehen, betont Ceylan. Das Angebot richtet sich auch besonders an andere, kleinere Religionsgruppen, wie Aramäer und Jesiden, die Konflikte mit muslimischen Trauergesetzen kennen. Der Friedhof wird am 10. April eröffnet. Dazu kommen auch die höchsten Geistlichen und Gemeinde-Vertreter der Aleviten in Deutschland.

Recht auf Feiertage und eine Professur

In Hamburg leben nach eigenen Angaben etwa 40.000 Aleviten. In der Türkei wurde die humanistische Religionsgemeinschaft lange verfolgt und Mitglieder der Gemeinschaft werden bis heute benachteiligt. Der Hamburger Senat hat 2012 einen Vertrag mit den Hamburger Gemeinden geschlossen, der ihnen unter anderem das Recht auf eigene Feiertage garantiert. Mittlerweile gibt es mit Handan Aksünger sogar eine Professorin für alevitische Theologie an der Hamburger Universität.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 14.03.2016 | 18:00 Uhr