Stand: 12.01.2016 11:16 Uhr

Leonhard: Flüchtlinge sollen sich integrieren

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Hamburgs Sozialsenatorin Leonhard nahm bei NDR 90,3 zur Flüchtlingspolitik Stellung.

Mit der Aufnahme in Deutschland haben Flüchtlinge die Pflicht, sich zu integrieren. Das hat Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag im Gespräch mit NDR 90,3 betont. Den Vorwurf, zu wenig für die Integration der Flüchtlinge zu tun, wies Leonhard entschieden zurück. Alle würden bei ihrer Ankunft in mehreren Sprachen und Bildern darüber informiert, welche Regeln gelten. Leonhard: "Da geht es darum: Wie sind die Regeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens? Deswegen können wir es erst recht nicht akzeptieren, wenn Menschen dagegen verstoßen."

Hilfe für Opfer von Übergriffen

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Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Das Hilfetelefon ist ein Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Beratung gibt es unter der Telefonnummer: 08000 116 016 und im Internet. extern

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht müssten nun alle Täter ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer, so Leonhard, sollten die Hilfe der Stadt in Anspruch nehmen: "Dafür haben wir in Hamburg zahlreiche Beratungsangebote. Ich möchte ausdrücklich alle ermutigen, diese auch in Anspruch zu nehmen." Ein erster Einstieg könne es sein, das Hilfetelefon zu nutzen. "Wer Hilfe braucht, bekommt sie. Dafür werden wir sorgen", sagte Leonhard.

Wachsende Widerstände gegen große Flüchtlingsunterkünfte

Derweil gibt es in Hamburg immer mehr Widerstände gegen neue Flüchtlingsheime. Angesichts des anhaltenden Zustroms sinke die Akzeptanz, sagte Leonhard. Auch die jüngsten Meldungen über sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen auf Frauen hätten Folgen für die Willkommenskultur in der Stadt: "Die Silvesterereignisse in Köln, Hamburg und an anderen Orten haben natürlich dazu geführt, dass Menschen auch Fragen haben, dass sie Ängste haben und dass sie es auch noch stärker hinterfragen, ob sie in ihrer Nachbarschaft eine Flüchtlingsunterkunft haben müssen. Und wenn ja, wie groß die sein muss."

Leonhard: Großunterkünfte notwendig

Dennoch sieht die Sozialsenatorin keine andere Möglichkeit, als große Unterkünfte für jeweils mehrere Hundert Flüchtlinge zu schaffen: "Wir haben es hier in Hamburg mit großen Flüchtlingszahlen zu tun, die wir unterbringen müssen, sodass wir diese Klein- und Kleinstunterkünfte mit 100 bis 150 Plätzen, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, im Grunde kaum noch einrichten können. Wir haben als Sozialbehörde darauf zu achten, dass wir zu einer gleichmäßigen Verteilung über die Stadt kommen und dass wir da, wo wir große Unterkünfte planen, die auch schrittweise entwickeln, um den Ängsten der Anwohner entgegenzukommen."

Flüchtlinge müssen wieder in Zelte

Wegen des großen Zustroms räumte Leonhard auch ein, dass derzeit wieder Zelte in Hamburg aufgestellt werden, um Flüchtlinge unterzubringen - unter anderem in der Erstaufnahmeeinrichtung Schnackenburgallee. Die Stadt würde es zurzeit nicht schaffen, die Folgeunterbringung so aufzubauen, wie man es sich vorgenommen habe. "Das hat zum einen mit Gerichtsverfahren zu tun, zum anderen mit praktischen Fragen." Deshalb seien mehr Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen als geplant und einige müssten nun wieder in Zelten leben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.01.2016 | 12:00 Uhr