Stand: 19.11.2015 12:40 Uhr

Kraftwerk Moorburg per Knopfdruck eröffnet

Das umstrittene Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg am Südufer der Elbe ist am Donnerstag offiziell in Betrieb genommen worden. Vor rund 500 Gästen drückten Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Vattenfall-Präsident Magnus Hall und Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka auf den berühmten roten Knopf. Vor den Toren des Kraftwerks demonstrierten derweil Aktivisten verschiedener Umweltorganisationen gegen das Kraftwerk.

Ein Kraftwerk wie aus der Zeit gefallen

Bis hierhin war es ein langer Weg. Erst überredete der Hamburger Senat den Kraftwerksbetreiber Vattenfall zu einem doppelt so großen Kraftwerk wie eigentlich geplant. Dann stiegen die Baukosten von 1,7 auf knapp 3 Milliarden Euro, nicht zuletzt, weil die Grünen Umweltauflagen für das ungeliebte Kohlekraftwerk durchsetzten. Nun steht nach fast zehn Jahren Planungs-, Bau- und Erprobungszeit ein Kraftwerk an der Elbe, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Denn längst setzt die Energiepolitik auf Bundes- und Länderebene auf erneuerbare Energien.

Tonnenweise Kohlendioxid

Bild vergrößern
Aktivisten demonstrieren bei der offiziellen Einweihung des Kraftwerk Hamburg-Moorburg.

Das Kraftwerk Moorburg könnte die Millionenmetropole Hamburg fast allein mit Strom versorgen - stößt aber bei vollem Betrieb rund 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr aus. Außerdem produziere Moorburg 6.000 Tonnen Stickstoffdioxid jährlich - mehr als der gesamte Pkw-Verkehr in Hamburg zusammen, sagte Manfred Braasch, Geschäftsführer des Hamburger BUND, im Interview mit NDR.de. "Und beim Quecksilber emittiert das Werk eine Tonne pro Jahr - damit dürfte es beispielsweise in den USA nicht betrieben werden."

Doch Hamburg hat große industrielle Stromverbraucher: Die Kupferhütte Aurubis, das Stahlwerk von ArcelorMittal oder das Aluminiumwerk von Trimet. Sie brauchen jeweils so viel Strom wie eine ganze Kleinstadt. Rund um die Uhr, ebenso wie der Hafen oder die Flugzeugproduktion von Airbus. Deshalb benötigt Hamburg allein in der Nacht eine Leistung von 1.200 Megawatt, am Tage sind es rund 1.600 Megawatt. "Ohne Moorburg funktioniert Hamburg nicht", sagte Pieter Wasmuth, der Vattenfall-Chef für Norddeutschland, der Deutschen Presseagentur.

Heute nicht mehr denkbar

Ungefähr die Hälfte des benötigten Stroms kommt aus Moorburg - und das wird wohl für die nächsten Jahrzehnte auch so bleiben. Selbst wenn bis 2050 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen sollten, wie es die Bundesregierung anstrebt, bleiben immer noch 20 Prozent konventionell erzeugter Strom. "Moorburg stabilisiert das Stromnetz", sagte Wasmuth bereits im März. Wenn das Atomkraftwerk Brokdorf 2021 vom Netz geht, sei Moorburg das einzige Kraftwerk dieser Größenordnung im Norden. Und das wird es wohl auch auf lange Sicht bleiben. Denn eine Genehmigung für solch ein riesiges Kohlekraftwerk wäre heute kaum mehr denkbar.

Weitere Informationen

Kohle kontra Klimaschutz

Kohlekraftwerke sind auch in Norddeutschland klimapolitisch umstritten. NDR.de gibt einen Überblick zum Stand der Diskussion und Hintergrundinformationen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 19.11.2015 | 19:30 Uhr