Stand: 28.02.2016 19:08 Uhr

Konferenz: Flüchtlinge wollen sich vernetzen

Auf einer Flüchtlingskonferenz in der Hamburger Kampnagelfabrik haben Asylsuchende mehr Vernetzung untereinander und gemeinsames Handeln gefordert. Drei Tage lang ging es auf international besetzten Podien und Workshops unter anderem um die Lage an den EU-Grenzen, die verschärfte Asylgesetzgebung oder den Zugang zu Deutschkursen, der vielen Flüchtlingen verwehrt ist.

Flüchtlinge wollen öffentliches Bild korrigieren

Ankämpfen wollten die Flüchtlinge auch gegen ein negatives Bild ihrer Personengruppe in der Öffentlichkeit. Sie seien "keine Vergewaltiger und keine Terroristen“. Eine Kampnagel-Sprecherin sagte, während der Veranstaltung sei jederzeit spürbar gewesen, wie wichtig es den Betroffenen sei, sich zu äußern. Sie sei beeindruckt davon, welch wichtige Themen in so entspannter Atmosphäre diskutiert wurden, berichtete NDR 90,3. Die Teilnehmer beschlossen, dass im kommenden Jahr eine ähnliche Konferenz in Berlin stattfinden soll.

Aktivist forderte Bewegungsfreiheit in Europa

Aktivist Patrick Konde von "CISPM" Italien, einer Vereinigung von Migranten ohne Papiere, rief Asylsuchende aller Herkunftsländer dazu auf, sich zusammenzuschließen. "Wir müssen gemeinsam kämpfen - für die Rechte und die Bewegungsfreiheit von Flüchtlingen in Europa", sagte der 42-Jährige vor rund 300 Besuchern. Konde stellte auf der Konferenz auch das Projekt "AlarmPhone" vor, mit dem Mittelmeerflüchtlinge im Notfall über Handy um Hilfe rufen können. Mehr als 5.000 Anrufe habe es seit Oktober 2014 gegeben, mit 60.000 Menschen sei man dabei in Kontakt gekommen, sagte er.

Auch Roma waren vertreten

Vor vielen Hundert Besuchern klagte ein Mann am Sonnabend auf einer Podiumsdiskussion, dass derzeit viele Roma von Abschiebungen betroffen seien. "Die Roma sind nur krank - das müssen sie sein. Sie wohnen im Müll, haben keine Krankenversicherung", sagte er. Im Anschluss betonte ein junger Mann namens Adam, der aus Berlin angereist war: "Wir müssen sichtbar sein. Sonst schert sich keiner um uns."

Helfer wünschen sich Solidarität

Rückhalt bekommen die kämpferisch auftretenden Asylsuchenden von ihren Helfern. "Mir ist das Wichtigste, dass diese internationale Konferenz zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem ich mich für die europäische Flüchtlingspolitik schämen muss", sagte Beate Gleiser, Unterstützerin der Hamburger Flüchtlingsgruppe Lampedusa. Ihr Wunsch an die Politik? "Mehr Solidarität", so die 66-Jährige.

Von Flüchtlingen selbst organisiert

Abimbola Odugbesan von der Gruppe Lampedusa hatte zu Beginn der Veranstaltung am Freitag gesagt, es gebe viele Diskussionen über Flüchtlinge, die Flüchtlinge selbst seien aber bisher kein Teil davon gewesen. "Das wollen wir jetzt ändern." Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard sagte, man sei nur Gastgeber gewesen. Diese wohl bislang größte Konferenz von Flüchtlingen sei von den Betroffenen selbst organisiert worden.

"Wachsende fremdenfeindliche Gewalt"

Ali Ahmet von der Lampedusa-Gruppe forderte die Staaten auf, keine Waffen mehr in Krisengebiete zu liefern. Die Gruppe der vor einigen Jahren über die italienische Mittelmeer-Insel Lampedusa eingereisten Afrikaner werde in Hamburg diskriminiert, weil sie Schwarze seien. Tahir Khair Khowa aus Afghanistan warnte davor, die Schutzsuchenden in gute und schlechte Flüchtlinge zu unterteilen. Stefan, Roma-Flüchtling aus Mazedonien, sagte: "Die wachsende fremdenfeindliche Gewalt ist sehr belastend für die Flüchtlinge geworden." Latoya Manley Spain aus Sierra Leone erinnerte daran, dass viele Flüchtlinge vor Krieg und Vertreibung geflohen und unter äußerst belastenden Bedingungen nach Deutschland gekommen seien.

Podien, Plakate, Diskussionen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.02.2016 | 19:30 Uhr