Stand: 22.09.2017 16:48 Uhr

Kinderschutzbund kritisiert Hamburger Behörden

Der Hamburger Chef des Deutschen Kinderschutzbundes hat am Freitag die Zusammenarbeit der Schulen mit den Jugendämtern kritisiert. Häufig sei die Kooperation schlecht, sagte Ralf Slüter vor der Enquete-Kommission für einen besseren Schutz von Kindern in Hamburg.

Bedeutung von Gefühlen unterschätzt

Slüter überraschte und beeindruckte den Ausschuss, als er über die Bedeutung von Gefühlen bei Kindeswohlgefährdungen sprach. Er führte folgendes Beispiel aus der Praxis an: Eine Lehrerin sorgt sich um ein Kind, ruft beim Jugendamt an und fühlt sich dort nicht ernst genommen. Kein Einzelfall, sagte Slüter. "Angst, Ohnmacht, Entrüstung, Ärger, Scham leiten viele unserer Handlungen: Das muss allen Beteiligten klar sein, sonst funktioniert Hilfe für Eltern und Kinder nicht."

Gefühle seien ein wichtiger Kompass für Entscheidungen, wenn es um das Wohl von Kindern gehe. Slüter bemängelte, dass zwischen den Beteiligten die Verantwortung oft hin und her geschoben werde. Das sei ein häufiges Problem vor allem zwischen Schulen und Jugendämtern. Eine Expertin im Ausschuss sagte, es gebe in der Schulbehörde zwar Verhaltensrichtlinien für den Fall eines Amoklaufs, aber nichts vergleichbares zum Thema Kindeswohl.

Fehler im System finden

In Hamburg sind in den vergangenen Jahren mehrere Kinder gestorben, auf die das Jugendamt hätte aufpassen müssen. In der Enquete-Kommission, die im Februar ihre Arbeit aufgenommen hat, sollen Abgeordnete der Bürgerschaft gemeinsam mit Experten klären, was in den Jugendämtern und in der Sozialbehörde falsch läuft. Und wieso oft Kontrollen versagt haben, trotz guter Ausbildung und langer beruflicher Erfahrungen der beteiligten Sozialpädagogen. Bis bis weit ins kommende Jahr wird an Empfehlungen für einen besseren Kinderschutz in Hamburg gearbeitet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.09.2017 | 16:00 Uhr

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