Stand: 15.02.2016 15:41 Uhr

JVA Billwerder: Erste Frauen ziehen im März ein

Nach jahrelangem Umbau sollen ab 5. März die ersten weiblichen Gefangenen in die Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder verlegt werden. Bislang sind die 61 Frauen im Gefängnis auf der Elbinsel Hahnöfersand untergebracht. Die JVA Billwerder wurde 2003 als Gefängnis für Männer eröffnet. Die ursprünglich 803 Haftplätze waren nicht ausgelastet, ein Hafthaus wurde deshalb für Frauen umgebaut.

Mutter-Kind-Bereich mit Spielplatz

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Ein großer Zaun schirmt den Außenbereich für die Frauen ab.

Dort gibt es nun 62 Zellen für Strafgefangene und 40 für Frauen in Untersuchungshaft. Sie sollen strikt getrennt von den Männern leben. Ein zwei Meter hoher Holzzaun schirmt den Außenbereich für die Frauen ab. Dahinter liegt ein flacher zweigeschossiger Bau mit einem Spielplatz. Denn es werden auch zwei Gefangene mit ihren Kleinkindern nach Billwerder verlegt. Justizsenator Till Steffen (Grüne) sagte am Montag bei der Vorstellung des Konzepts: "Deswegen gibt es eben diesen Mutter-Kind-Bereich und deswegen gibt es auch einen Teil des Außengeländes, der darauf ausgerichtet ist, dass hier auch Kinder leben werden." Vier Hafträume sind so gestaltet, dass Mütter mit Kindern darin wohnen können.

Keine gemeinsamen Arbeits- und Qualifizierungsangebote

Auch wenn die Grünen ursprünglich gegen die Zusammenlegung von Frauen- und Männervollzug in Billwerder waren, ist Justizsenator Steffen nun zufrieden mit der Lösung. Es könnten mehr Qualifizierungen angeboten werden, so Steffen. Zum Beispiel in den Bereichen Pflege, Gastronomie und Gebäudereinigung. Anders als ursprünglich geplant werde es keine gemeinsamen Arbeits- und Qualifizierungsangebote geben, betonte Steffen. Es gebe auch in diesem Bereich eine strikten Trennung von Frauen und Männern.

Hahnöfersand vor der Schließung

Der Hamburger Senat will durch die Zusammenlegung Geld und Personal sparen. Eine Sanierung des Gebäudekomplexes auf Hahnöfersand hätte Millionen gekostet. Hamburg überlegt, das mehr als 100 Jahre alte Gefängnis Hahnöfersand in absehbarer Zeit zu schließen. Derzeit ist auf der Elbinsel auch noch der Jugendvollzug untergebracht. Für diesen wird nach einer gemeinsamen Lösung mit Schleswig-Holstein gesucht.

Nur knapp fünf Prozent der Gefangenen in Hamburg sind weiblich. In den meisten Fällen verbüßen sie Strafen wegen Eigentumsdelikten, die sie oft zur Finanzierung von Drogen begangen haben, wie die Leiterin der neuen Frauenabteilung, Rosemarie Höner-Wysk, erläuterte. Nur selten sitzen Frauen wegen Gewaltdelikten im Gefängnis. Im Durchschnitt sitzen Frauen in Hamburg neun Monate ein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.02.2016 | 17:00 Uhr