Stand: 21.10.2014 21:19 Uhr

IT-Gipfel: Millionen für die Digitalisierung

Die Bundesregierung hat ihre Pläne für die Förderung der Digitalwirtschaft in Deutschland konkretisiert. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte beim 8. Nationalen IT-Gipfel in Hamburg, dass bis zum Jahr 2017 fast eine halbe Milliarde Euro an Fördermitteln bereitgestellt werde. Prominentester Gast in der Hamburger Handelskammer war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie versprach bei dem Treffen, die Finanzierungsbedingungen für Startups zu verbessern.

"Auch im Silicon Valley geht es ohne Risiko nicht"

Gleichzeitig forderte Merkel die Wirtschaft auf, selbst ein Wagnis einzugehen. Es könne sein, dass die staatlichen Anreize nicht ausreichen, um das herzustellen, was man beispielsweise in den USA sehen könne. "Auch im Silicon Valley geht es ohne Risiko nicht", sagte Merkel über die Hochburg der Internetszene in den USA. Laut Gabriel will die Bundesregierung ein neues Börsensegment für die Finanzierung von Startups einrichten. Bei der "Börse 2.0" müssten allerdings die Lehren aus dem Zusammenbruch des Neuen Marktes berücksichtigt werden. Es gebe bereits Gespräche mit der Deutschen Börse. Einen konkreten Zeitplan für die Einrichtung eines neuen Finanzmarktplatzes für Startups nannte Gabriel jedoch nicht.

Kommentar

Die Regierung entdeckt das Internet

Auf dem IT-Gipfel in Hamburg hat sich die Politik mit den Chancen der digitalen Revolution beschäftigt. Hat die Bundesregierung das Potenzial erkannt? Nils Kinkel kommentiert. mehr

Insgesamt nahmen rund 800 Teilnehmer am IT-Gipfel teil. Neben Merkel und Gabriel waren auch mehrere Bundesminister aus Berlin angereist. Sie diskutierten unter anderem mit den Vorständen großer Firmen aus der IT-Wirtschaft über das Motto des Gipfels: "Arbeiten und Leben im digitalen Wandel."

Gabriel will führende Rolle Deutschlands bei Digitalisierung

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Bundeswirtschaftsminister Gabriel bezeichnete die Digitalisierung der Wirtschaft beim IT-Gipfel als große Chance.

Gabriel erklärte in seiner Eröffnungsrede im Börsensaal, dass er keinen Widerspruch zwischen traditioneller und digitaler Wirtschaft sehe. Deutschland müsse nun bei der vierten, der digitalen industriellen Revolution eine führende Rolle übernehmen. Die Digitalisierung sei eine riesige Chance. Deutschland sei der "Ausrüster der Industrialisierung der Welt" und müsse nun mit einer umfassenden Digitalisierung der Industrie ("Industrie 4.0") diese Position verteidigen.

"Industrie 4.0": Fünf Zentren für Mittelständler

"Industrie 4.0" könne auch bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels helfen. "Ich wünsche mir, dass die digitale Kompetenz ganz oben auf den Lehrplänen in den Schulen und Universitäten steht", so Gabriel. Das Wirtschaftsministerium richte derzeit außerdem fünf Zentren zur Information über "Industrie 4.0" ein. Diese Zentren würden sich vor allem an Mittelständler richten, die ihr Wissen über Digitalisierung der Produktion und Unternehmensabläufe erweitern möchten. "Wenn 70 Prozent des Mittelstands bei einer Umfrage sagen, IT betrifft sie nicht vorrangig, ist das besorgniserregend", meinte Gabriel.

De Maizière: Nicht alles ins Netz stellen

Fast das halbe Bundeskabinett war in Hamburg vertreten. Zum Beispiel auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), der an einem Forum zu Transparenz, Sicherheit und Vertrauen teilnahm. Er warnte davor, online zu viele Daten preiszugeben. "Ein Nacktbild gehört einfach nicht in die Cloud", sagte de Maizière. Man müsse "nicht alles im Internet erledigen". Um Vertrauen in das Netz zu schaffen, müsse ein Verständnis für verschiedene Stufen der Sicherheit entstehen. So könnten schon mit wenigen Maßnahmen wie Passwortänderungen und Verschlüsselung 80 bis 90 Prozent der Gefahren abgewendet werden.

Kritiker: "IT-Gipfel hat sich in dieser Form überlebt"

Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen, warf der Bundesregierung vor, das Thema der Netz-Überwachung der Geheimdienste auf dem IT-Gipfel totzuschweigen. Stefan Körner, der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, sprach von einem "exklusiven Treffen der Wirtschafts- und Politikbosse". "Der IT-Gipfel hat sich in dieser Form überlebt, und alle Beteiligten tun gut daran, ihn aufzugeben oder in Zukunft den Prinzipien und Funktionsweisen der digitalen Gesellschaft anzupassen", sagte Körner. Der nächste Nationale IT-Gipfel soll in Berlin stattfinden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.10.2014 | 17:00 Uhr

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