Stand: 08.08.2017 11:00 Uhr

Hassbotschaften vor Twitterzentrale gesprüht

Rassistische Beleidigungen und Aufrufe zum Mord an Minderheiten: Am vergangenen Freitag waren zahlreiche solcher Hassbotschaften vor der Twitterzentrale in Hamburg-Altona zu lesen. Sie waren in der Nacht mit wasserlöslicher Farbe auf die Straße gesprüht worden. Am Montag outete sich der Berliner Künstler Shahak Shapira als Urheber der provokanten Aktion. Shapira ist bekannt für seine politische und oft auch streitbare Satire.

Mit Zitaten von Twitter-Kommentaren sorgte er nun in Hamburg für Aufsehen. 450 Kommentare hatte Shapira nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Monaten bei Twitter gemeldet, weil sie beispielsweise rassistisch, homophob oder antisemitisch waren. Nur in neun Fällen habe er eine Antwort bekommen - und in diesen Mails informierte Twitter ihn lediglich darüber, dass die gemeldeten Tweets nicht gegen die Vorschriften des Unternehmens verstoßen würden.

Konfrontation mit Hassbotschaften

Deshalb entschied sich der Satiriker, die Mitarbeiter von Twitter mit den Hassbotschaften zu konfrontieren - als Protest gegen die lasche Löschpraxis. Facebook dagegen habe Kommentare, die er dem Unternehmen als diskriminierend gemeldet hatte, in mehr als 80 Prozent der Fälle in den folgenden drei Tagen gelöscht. Tagelang wusste niemand, wer sich hinter der Sprühaktion verbirgt, bis sich Shapira via Video im Netz dazu bekannte. Twitter selbst verwies auf Nachfrage von NDR 90,3 lediglich auf seine Geschäftsbedingungen und kommentierte nicht die konkrete Aktion. Während Shapira für seine Idee in sozialen Medien Aufmerksamkeit und Zuspruch bekam, warfen ihm Kritiker "unerlaubtes Graffiti" und Vandalismus vor.

Kritik an Twitter vom Bundesjustizminister

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verwies bei dem Kurznachrichtendienst auf die Aktion des Künstlers. Dabei merkte er an, Twitter lösche nur ein Prozent der von seinen Nutzern gemeldeten Hasskriminalität. "Das reicht nicht", so Maas. Er stand hinter einem im Sommer angenommenen Gesetz, dass Internet-Plattformen verpflichtet, Hassreden schneller zu löschen. In klaren Fällen soll das innerhalb von 24 Stunden passieren, bei weniger eindeutigen Sachverhalten innerhalb einer Woche.

Keine Deutungshoheit für Unternehmen

Kritiker hingegen bemängeln unter anderem, die Unternehmen bekämen damit eine Deutungshoheit. Außerdem bestehe die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig, um sich vor Geldstrafen zu schützen. Maas aber stellt klar: Es solle nur entfernt werden, was illegal sei. Außerdem hätten die Firmen ein wirtschaftliches Interesse, viele Inhalte auf ihrer Plattform zu präsentieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.08.2017 | 07:00 Uhr

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