Stand: 27.10.2015 15:26 Uhr

Hapag-Lloyd verschiebt Börsengang

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Der Börsengang von Hapag-Lloyd steht offenbar unter keinem guten Stern.

Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd hat die Angebotsfrist für ihre Aktien bis zum 3. November verlängert. "Angesichts der angespannten Kapitalmärkte haben wir uns entschieden, die Frist zu verlängern", sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Hamburg. Die Zeichnungsfrist war am 15. Oktober mit einer Preisspanne von 23 bis 29 Euro je Papier gestartet und sollte ursprünglich an diesem Dienstag auslaufen. Durch die Verlängerung verschiebt sich auch der für den 30. Oktober vorgesehene Börsengang. Einen neuen Termin dafür gibt es noch nicht.

Schrumpfender Handel mit Asien macht Sorgen

Insidern zufolge haben mehrere Interessenten in den vergangenen Tagen Bestellungen für Aktien zurückgezogen, wie NDR 90,3 unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Auch ein völliger Stopp des Börsengangs sei noch möglich. Bei Analysten wird die Verzögerung als Alarmzeichen gewertet. Erst vor wenigen Tagen hatte Hapag-Lloyds Konkurrent Maersk eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die Branche leidet unter den schlechten Konjunkturaussichten in China, Überkapazitäten und damit niedrigen Frachtraten. Auch Hapag-Lloyd ist im Asien-Handel sehr aktiv.

Hamburg muss Wert seiner Anteile nach unten korrigieren

Die Stadt Hamburg hält rund 24 Millionen Aktien und ist damit ist drittgrößter Anteilseigner bei Hapag-Lloyd. Sie muss bei dem Börsengang wahrscheinlich einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben, wie NDR 90,3 berichtete. Bislang stehen die Hapag-Lloyd-Anteile der Stadt mit mehr als einer Milliarde Euro in den Büchern. Nach der Preisspanne, zu der die Reederei Aktien platzieren will, sind die städischen Anteile aber nur noch zwischen 560 und 710 Millionen Euro wert. Die Stadt hatte 2009 und 2011 Hapag-Lloyd-Anteile gekauft, um eine Verlagerung des Unternehmens ins Ausland zu verhindern.

Oppositionspolitiker besorgt

Besorgt zeigten sich Oppositionsparteien in der Bürgerschaft angesichts der aktuellen Lage bei Hapag-Lloyd. Das werde erhebliche Spuren im Haushalt hinterlassen, sagte CDU-Hafensprecher Ralf Niedmers NDR 90,3. Norbert Hackbusch von den Linken spricht von Fehleinschätzungen und einem gewissen Größenwahn des Bürgermeisters, FDP-Chefin Katja Sunding sogar von einem Scheitern des "Staatsreeders Olaf Scholz" auf ganzer Linie.

Hapag-Lloyd ist nach der Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV mit 188 Schiffen die viertgrößte Container-Reederei der Welt. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, gut ein Zehntel davon in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.10.2015 | 16:00 Uhr