Stand: 17.04.2014 09:31 Uhr

Hapag-Lloyd: Fusion mit CSAV perfekt

Bild vergrößern
Hapag-Lloyd und CSAV transportieren zusammen jährlich rund sieben Millionen Standardcontainer.

Die Fusion der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd mit der Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) aus Chile ist unter Dach und Fach. Die Unternehmen unterzeichneten am Mittwoch in Hamburg nach eigenen Angaben einen bindenden Vertrag. Durch den Zusammenschluss entsteht hinter den Branchenriesen Maersk, MSC und CMA CGM die weltweit viertgrößte Container-Reederei mit knapp neun Milliarden Euro Umsatz und mehr als 200 Schiffen auf den Weltmeeren. Bisher war Hapag-Lloyd noch auf Platz fünf, CSAV auf Platz 20. Der Hauptsitz des Unternehmens bleibt in Hamburg. Zudem will Hapag-Lloyd für das Lateinamerika-Geschäft eine Regionalzentrale in Chile aufbauen.

Kartellbehörden müssen noch zustimmen

Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) sieht den Schifffahrtsstandort Hamburg durch die Fusion gestärkt. "Es ist vor allem auch für die Stadt ein Gewinn, den Zusammenschluss unter Hamburger Führung zu vollziehen und damit die Unternehmenszentrale am Ballindamm zu stärken", sagte Tschentscher. Die Kartellbehörden und der Hamburger Senat müssen der Fusion noch zustimmen.

Berendt: Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd

Bild vergrößern
Die Verträge sind unterzeichnet: Francisco Pérez Mackenna (Quinenco), Michael Behrendt (Hapag-Lloyd) und Oscar Hasbún (CSAV).

Die Branche ist seit Jahren von einer Krise gekennzeichnet. Überkapazitäten, ein harter Konkurrenzkampf und niedrige Frachtraten prägen das Geschäft - und bringen Verluste. Beide Unternehmen wiesen für 2013 rote Zahlen aus. Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt sprach am Mittwoch von einem Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd. "Die Transaktion steigert den Wert des Unternehmens und damit auch den Wert der Anteile unserer Gesellschafter", sagte Berendt. CSAV-Chef Oscar Hasbún sieht das nun größere Unternehmen in einer erheblich verbesserten Wettbewerbsposition.

CSAV: Große Mehrheit für Fusion

Die CSAV-Eigner hatten erst vor wenigen Wochen die Weichen für einen Zusammenschluss mit Hapag-Lloyd gestellt. Eine große Mehrheit stimmte den Plänen für eine Zusammenlegung des Containergeschäfts mit der Hapag-Lloyd zu. Diese Entscheidung ist aber noch nicht endgültig. Das Votum für den Zusammenschluss gilt unter dem Vorbehalt, dass sich bis Ostersonntag nicht mehr als fünf Prozent der CSAV-Minderheitsaktionäre ihre Anteile ausbezahlen lassen. Die beiden Reedereien hatten schon Anfang dieses Jahres eine Absichtserklärung zur Fusion unterzeichnet. Hinter CSAV steht maßgeblich die Holding Quinenco der chilenischen Familie Luksic. Sie ist in der Lebensmittelindustrie ebenso engagiert wie in der Finanzbranche - und in der Schifffahrt.

Chilenen übernehmen rund ein Drittel der Anteile

Der Plan sieht vor, dass CSAV sein Containergeschäft in das neue gemeinsame Unternehmen einbringt und im Gegenzug rund 30 Prozent der Hapag-Lloyd-Aktien erhält. Anschließend folgt eine Kapitalerhöhung bei Hapag-Lloyd, die von den Chilenen überproportional bedient wird, sodass deren Anteil am gemeinsamen Unternehmen auf 34 Prozent steigt. Durch die Fusion werden die Chilenen zum größten Anteilseigener bei Hapag-Lloyd, gefolgt von der Stadt Hamburg und dem Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Ebenfalls noch mit im Boot ist der Touristikkonzern TUI. Doch der plant bereits seit geraumer Zeit einen Ausstieg aus der Containerschifffahrt. Mittelfristig soll Hapag-Lloyd an die Börse gehen - möglicherweise schon im kommenden Jahr.

Unternehmensporträt

Hapag-Lloyd: Auf den Weltmeeren zu Hause

Hapag-Lloyd aus Hamburg ist die größte Reederei Deutschlands - und ein Unternehmen mit Tradition. Es blickt auf fast 170 Jahre Schifffahrtsgeschichte zurück. Ein Porträt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 17.04.2014 | 09:00 Uhr