Stand: 28.09.2015 13:25 Uhr

Hapag-Lloyd: Börsengang noch in diesem Jahr

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Hapag-Lloyd will in den nächsten Wochen den Gang an die Börse wagen.

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd hat am Montag angekündigt, noch in diesem Jahr an die Börse zu gehen. Den Wert den Unternehmens insgesamt schätzen Analysten auf mehrere Milliarden Euro, tatsächlich gehandelt wird zunächst aber nur ein kleiner Teil. Das Unternehmen teilte mit, durch die Ausgabe neuer Anteilsscheine 500 Millionen US-Dollar (rund 450 Millionen Euro) erlösen zu wollen. Dieses Geld soll in Schiffe und Container investiert werden. Details zum weiteren Fahrplan des Börsengangs sind noch nicht bekannt.

"Dieser Schritt wird uns besseren Zugang zu den Kapitalmärkten verschaffen", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen. Dadurch könne Hapag-Lloyd weiter in das Geschäft investieren und noch wettbewerbsfähiger werden. Über den Zeitpunkt des Börsengangs war vor allem angesichts eines verbesserten Geschäftsverlaufs in den vergangenen Wochen spekuliert worden.

CSAV und Kühne wollen zukaufen

Der größte Teil des erwarteten Erlöses soll von neuen institutionellen Investoren und Privatanlegern kommen. Die beiden Aktionäre CSAV und Klaus-Michael Kühne wollen jeweils Aktien für 50 Millionen US-Dollar kaufen. Die chilenische Reederei und der Logistik-Unternehmer werden damit etwas mehr Einfluss bekommen. Gemeinsam mit der Stadt Hamburg halten sie vor dem Börsengang rund 78 Prozent an der Reederei. Diese drei Gesellschafter haben sich verpflichtet, ihren Anteil in den nächsten zehn Jahren nicht unter 50 Prozent fallen zu lassen. Die Stadt beteiligt sich nicht an der Kapitalerhöhung. Ihr Anteil von gegenwärtig 23,2 Prozent wird damit abnehmen.

Wem gehört Hapag-Lloyd?

Hapag-Lloyd gehört nach der Fusion zu 34 Prozent CSAV, zu 23,2 Prozent der Stadt Hamburg und zu 20,8 Prozent dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Diese drei Eigner haben ihre Anteile gepoolt und treffen Entscheidungen gemeinsam. Weiterer großer Aktionär ist der Touristikkonzern TUI mit 13,9 Prozent, der sich aber gern von seinen Anteilen trennen will. Der Rest gehört Hamburger Banken und Versicherungen.

TUI will sich von Anteilen trennen

Zusätzlich zu den Aktien aus der Kapitalerhöhung kommen weitere Aktien auf den Markt. Das betrifft besonders die Anteile des Tourismusunternehmens TUI in Höhe von 13,9 Prozent, von denen sich der Konzern aus Hannover schon seit langem trennen will. Wie viele der TUI-Aktien im Rahmen des Börsengangs auf den Markt kommen, ist noch offen und hängt ab von der Nachfrage der Investoren. Es wird nach Angaben eines TUI-Sprechers nicht das gesamte Paket sein.

Interesse an Großcontainerschiffen

Mit dem erlösten Geld aus dem Börsengang will Hapag-Lloyd Schiffe und Container kaufen. Auf dem Wunschzettel von Konzernchef Habben Jansen stehen unter anderem sechs neue riesige Containerschiffe, die jeweils bis zu 20.000 Standardcontainer transportieren können.

Gute Bilanz im ersten Halbjahr

Hapag-Lloyd ist mit 188 Schiffen die viertgrößte Container-Reederei der Welt. In der ersten Hälfte dieses Jahres verdiente der Konzern 157 Millionen Euro, bei einem Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro. Das war das stärkste Ergebnis seit langem und soll den Willen zum Börsengang sehr gestärkt haben. Das gute Ergebnis ist vor allem auf den Zusammenschluss mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV zurückzuführen. Die Fusion werde schneller als geplant umgesetzt und bringe höhere Einspareffekte als vorhergesehen, teilte das Unternehmen mit. Außerdem profitierte die Traditionsreederei von den gesunkenen Treibstoffpreisen. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, gut ein Zehntel davon in Hamburg.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.09.2015 | 12:00 Uhr