Stand: 17.02.2016 16:03 Uhr

Hans Korndörfer: Anpacken ab der ersten Minute

von Susanne Röhse, NDR 90,3
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Hans Korndörfer (rechts) im Gespräch mit Flüchtlingen im Flüchtlingscafe in den Räumen des BGZ Süderelbe.

Hans Korndörfer ist ein zupackender Mensch. Ihn haut so leicht nichts um. Dass auch in seinem Stadtteil Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden, ist ihm immer schon klar gewesen. Mit so vielen Menschen hat er allerdings nicht gerechnet: "Da war ich wirklich von erschlagen. Meine erste Reaktion war, dass ich gehofft habe, dass alles gut geht."

Trotzdem oder gerade deswegen war er einer der ersten Helfer, die Mitte September vergangenen Jahres die Flüchtlinge in dem ehemaligen Baumarkt empfingen und die Kleiderkammer mit aufbauten. Und er ist Mitinitiator der Willkommensinitiatve Süderelbe, zu der mittlerweile mehr als 200 aktive Ehrenamtliche zählen.

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In den Räumen des Bildungs- und Gemeinschaftszentrums wird ein Flüchtlings-Café betrieben. Dort trifft Hans Korndörfer auf Flüchtlinge. Und auch, wenn es mit der Sprache nicht immer so klappt: Irgendwie gelingt die Verständigung im Cafe am Ende immer. Genau darum geht es auch Hans Korndörfer: "Unsere Hoffnung ist, dass dies ein wichtiger Vermittlungspunkt wird, den wir auch in Zukunft haben werden. Das ist der Ort, wo die Neugrabener und die Flüchtlinge Gelegenheit haben, zusammen zu kommen." Bisher hat das Flüchtlingscafe nur einmal in der Woche geöffnet, bald wahrscheinlich aber auch noch an einem zweiten Tag.

Bürokratie macht den Helfern zu schaffen

Zufällig kommt hier allerdings keiner vorbei. Das Neugrabener Zentrum liegt hinter den S-Bahn-Gleisen und der vielbefahrenen Bundesstraße 73. Orte der Zusammenkunft zu schaffen, Kontakte herzustellen zwischen der heimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen - das ist ein Ziel der Willkommensinitiative.

Bei seinem ehrenamtlichen Engagement hat der 63-jährige Hans Korndörfer vieles neu gelernt: "Was muss gemacht werden, wenn einer eine Wohnung haben will? Was muss er machen, wenn er sein Asylverfahren beschleunigen will? Das sind alles so Prozesse, da musste ich mich selbst auch einarbeiten." Immer wieder stießen die Helferinnen und Helfer auf neue Probleme und Aufgaben. Die Bürokratie macht ihnen dabei teilweise zu schaffen: "Da sagen wir uns immer: 'Och, das könnte man auch einfacher machen'. Aber das ist offensichtlich nicht so der Fall."

Politik muss mehr Ideen und Angebote entwickeln

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Die Flüchtlingskinder sollen gleichmäßig auf alle Schulen und Kitas im Stadtteil verteilt werden - auch die ärztliche Versorgung soll besser werden. Für die erwachsenen Flüchtlinge, für die vielen allein reisenden Männer aber gebe es nach wie vor zu wenig Angebote und Ideen, findet Hans Korndörfer. "Ich denke mal, da ist es nicht genug zu sagen: 'Ja, da gibt es Volkshochschulen', sondern da muss man wesentlich mehr integrative Arbeit leisten, damit genau diese Gruppe von Menschen, die ja einen nicht unbeträchtlichen Anteil von Flüchtlingen auch darstellt, besser integriert werden kann", sagte der ehrenamtlicher Helfer. Es fordert in dieser Hinsicht vor allem von der Politik und den Behörden mehr Ideen und Angebote, um noch besser an die Flüchtlinge herankommen zu können.

Die Zahl der Flüchtlinge, die bald in seinem Stadtteil wohnen eher nicht, steht für Hans Korndörfer bei all seinen Bemühungen und seinem Einsatz nicht im Mitelpunkt. Das überlässt er der Bürgerinitiative "NEIN! zur Politik, Ja zur Hilfe!", die die geplante Volksinitiative gegen Großunterkünfte unterstützt. Er packt lieber mit an - egal wieviele flüchtlinge kommen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 17.02.2016 | 09:08 Uhr