Stand: 12.04.2017 16:40 Uhr

Hamburgs grüner Bunker: Baugenehmigung erteilt

Der Weg für den Umbau des Bunkers an der Feldstraße in Hamburg ist so gut wie frei: Das Bezirksamt Mitte hat eine Baugenehmigung für die Aufstockung und Begrünung erteilt, wie NDR 90,3 am Dienstag berichtete. Nun muss noch die Hamburgische Bürgerschaft wegen der gesamtstädtischen Bedeutung des Gebäudes dem spektakulären Projekt zustimmen. Doch eine Zustimmung mit rot-grüner Mehrheit gilt als wahrscheinlich. Noch vor der Sommerpause soll eine Entscheidung fallen. Der Bezirk und die Thomas J.C. Matzen GmbH als Investor hatten zuvor einen städtebaulichen Vertrag unterzeichnet, in dem die Details für das Bauvorhaben festgehalten werden, wie Bezirkssprecher Norman Cordes NDR.de bestätigte. Damit wurde der Beschluss der Bezirksversammlung umgesetzt. "Der grüne Bunker ist ein Projekt, das von vielen Menschen kritisch gesehen wird. Wir werden deshalb ein besonderes Auge darauf haben, ob die Vorgaben auch umgesetzt werden", sagte Cordes.

.

Baugenehmigung ist da: Bunker wird grün

Hamburg Journal -

Henning Voscherau wollte den Bunker auf dem Heiligengeistfeld noch abreißen lassen. Nun soll der Koloss begrünt werden. Das Bezirksamt Mitte hat jetzt die Baugenehmigung erteilt.

4 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Um fünf Etagen wird aufgestockt

Wenn auch die Bürgerschaft grünes Licht gibt, könnte Matzen mit dem Umbau starten. Die Kosten schätzt er auf 25 bis 30 Millionen Euro, die Bauzeit auf 16 bis 18 Monate. Der Investor will den Bunker um 20 Meter beziehungsweise fünf Stockwerke aufstocken, bepflanzen und dort unter anderem einen Park und eine Sporthalle bauen. Außerdem sind ein Bunker-Museum, Hotel- und Gästeräume, Künstlerwohnungen, ein Amphitheater, ein Musikclub, Räume für die Stadtteilkultur und für Gastronomie geplant. Verbunden mit der Umsetzung des Projekts ist auch ein neuer Erbbaupachtvertrag für das Gebäude - laut "Hamburger Abendblatt" mit einer Laufzeit von 50 Jahren für den Bunker inklusive der Option auf eine Verlängerung um jeweils 25 Jahre. Daniel Stricker, Pressesprecher der Finanzbehörde, wollte das auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. "Allerdings werden demnächst alle relevanten Unterlagen im Rahmen einer Bürgerschaftsbefassung dem Parlament vorgelegt werden, dann wird Gelegenheit sein, sich ein vollständiges Bild zu machen", teilte Stricker mit.

Zahlreiche Auflagen zu erfüllen

Bereits im Herbst hatte die Bezirksversammlung Mitte grundsätzlich grünes Licht gegeben, allerdings unter strengen Auflagen. So muss der Brandschutz gewährleistet werden. Die Zahl der Kultur- und Musik-Veranstaltungen in der Halle auf dem Bunker wird auf maximal 38 pro Jahr begrenzt, um die Belastung für den Stadtteil in Grenzen zu halten. Wenn auf dem Heiligengeistfeld Dom ist, darf es dort nur Sportveranstaltungen geben. Zudem müssen genügend Parkplätze vorhanden sein. 124 werden wohl auf dem Gelände der benachbarten Rindermarkthalle bereitgestellt. "Eigentlich wären 377 notwendig. Der Rest wird aber für zwei Jahre gestundet. Danach wird die Situation neu bewertet, wenn man weiß, wie der Bedarf wirklich ist", erklärte Bezirkssprecher Cordes.

Die Existenz der Bestandsmieter soll durch eine langfristige Verlängerung der Mietverträge gesichert werden. Außerdem gibt es Planänderungen, sodass das Gebäude weniger Schatten wirft. Dafür rückt der Aufbau mehr als 1,5 Meter von der Feldstraße ab, was ein Verschattungsgutachten empfohlen hatte. Die Bezirkspolitik hatte wegen des starken Schattenwurfs eigentlich gefordert, die Aufstockung auf drei Stockwerke zu begrenzen. Dann hätte aber die geplante Sporthalle nicht realisiert werden können.

Pilotprojekt für eine Naturlandschaft über den Dächern der Stadt

Insgesamt soll auf und rund um den Bunker etwa ein Hektar Grünfläche entstehen. Während der Vertragslaufzeit sollen immer mindestens 80 Prozent des Aufbaus dauerhaft begrünt sein. "Der Stadtgarten kann als Pilotprojekt für eine Naturlandschaft über den Dächern der Stadt dienen", sagte Tobias Boeing, Vorstand von Hilldegarden e.V., der mit Anwohnern und Interessierten die Nutzung und Gestaltung der öffentlichen Innen- und Außenflächen entwickelt. "Es ist ein mitunter haarsträubend steiniger Weg gewesen. Deshalb freuen wir uns über die Baugenehmigung", sagte er NDR.de. "Gemeinsam haben wir uns verpflichtet, einen besonderen Ort über den Dächern Hamburgs zu schaffen. Gemeinsam werden wir uns jetzt auch der damit verbundenen Verantwortung stellen. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in der Realisierungsphase an die gute Zusammenarbeit anknüpfen werden", betonte Boeing.

Bedenken bei Anwohnern und Denkmalschützern

Der 38 Meter hohe, graue Koloss aus Stahlbeton steht seit dem Zweiten Weltkrieg als Mahnmal auf dem Heiligengeistfeld. Schon lange wird über den grünen Bunker diskutiert. Anwohner an der Feldstraße hatten gegen den Umbau protestiert und erklärt, die Pläne seien am Computer künstlich geschönt worden. Historiker und Denkmalschützer meldeten Bedenken an. Sie befürchten eine Verunstaltung "des wichtigsten Mahnmals gegen den Krieg".

Feldbunker-Initiative will Pläne sehen

Stadtplaner Mario Bloem von der Feldbunker-Initiative, die gegen das Projekt ist, zeigte sich überrascht von der Erteilung der Baugehmigung. "Für uns sind immer noch viele Details unklar. Wir wollen die genauen Pläne endlich auf dem Tisch sehen und sind sehr skeptisch, weil diese nicht öffentlich gemacht werden. Es darf keine Sonderbehandlung für dieses Vorhaben geben", sagte Bloem NDR.de. Laut Paragraf 34 des Baugesetzbuches müsse sich ein geplantes Gebäude in die Umgebung einfügen - das sei bei dem Bunker nach der Aufstockung aber nicht mehr der Fall. Bloem: "Mit der Zustimmung würde sich die Bürgerschaft keinen Gefallen tun. Dann kann man Stadtplanung zukünftig überall ohne Bebauungspläne machen."

So soll der grüne Bunker in St. Pauli aussehen

Weitere Informationen

St. Pauli-Boss: Brauchen Sporthalle auf Bunker

Über die geplante Aufstockung des Bunkers an der Hamburger Feldstraße wird weiter diskutiert. St.Pauli-Präsident Göttlich unterstützt das Projekt, was dem Verein Kritik einbringt. (22.11.2016) mehr

Grüner Bunker: Auflagen erfüllt, Umbau rückt näher

Der Umbau des Bunkers in Hamburg-St. Pauli wird immer wahrscheinlicher. Wie NDR 90,3 berichtet, hat der Investor die meisten Auflagen erfüllt. Jetzt ist die Bürgerschaft am Zug. (10.11.2016) mehr

Hintergrund
mit Video

Hamburg ist Bunker-Hochburg

Mehr als 1.000 Bunker gab es zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Hamburg. Hunderte liegen im Verborgenen, aber oft ganz nah. Einige Anlagen wurden abgerissen, andere umgebaut. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.04.2017 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:09

65-Jährige erschlagen: Vier Personen in U-Haft

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:57

Baustellen-Plage: Auf den Straßen ist es eng

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:06

Zwei Schiffswracks und ihre Geschichte

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal